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Wenn ein »Großstadtpoet« - so sein alter ego im Internet - sich mit dem Thema »Erbe« auseinandersetzt, darf man auf das Ergebnis gespannt sein. Und tatsächlich: Der Leser wird nicht enttäuscht!

Arne Hilke: »Treue nach vorne«

»Die alten Bäume auf dem Friedhof warfen lange Schatten über die Gräberfelder, als Martin sein Rad über den knirschenden Split der Wege schob. Das Familiengrab befand sich im hinteren Bereich des Gottesackers, so dass er viele Gräber passierte, auf denen Angehörige in nachmittäglicher Spätsommerhitze für Ordnung sorgten. Als er sich der Abzweigung näherte, die zum Familiengrab führte, sah er eine Gestalt dort auf der kleinen Bank sitzen, die neben dem Grab auf einer Grünfläche stand. 
Auch beim Näherkommen konnte Martin die Person nicht identifizieren. Es handelte sich offensichtlich um einen älteren Mann, vielleicht drei Jahrzehnte älter als Martin selbst. Seine Gesichtszüge waren auch aus der Nähe auf eine sonderbare Weise schwierig auszumachen. 
Als er Martin erblickte, nickte der Mann ihm freundlich zu, seine brennende Pfeife in der Hand haltend.
Martin zierte sich etwas, vor der fremden Person an die Grabstelle zu treten. Er verharrte auf dem Weg, hielt sein Rad am Lenker fest und blickte verlegen zur Bank hinüber ...«

Arne Hilke, geboren 1978 in Bremen, befasst sich seit vielen Jahren mit philosophischen Grundgedanken. Zum Thema »Erbe« kam ihm spontan in den Sinn, dass auch die Welt, die wir unseren Nachfahren hinterlassen, eine Form von Erbe ist. So entwickelte er die Erzählung »Treue nach vorne«, die Unterhaltung mit Nachdenken verbindet. Schreiben ist für Arne Hilke ein gewohntes Terrain, wie zahlreiche Veröffentlichungen, vor allem als Herausgeber von Anthologien und Festschriften belegen. Warum er schreibt, belegt er mit einem Zitat aus dem Lied ›Großstadtlichter‹ von ›Alter Ego & Kareem‹: »Nur durch neues Schreiben schlag ich Finten und kann das Nachdenken unter Umständen für kurze Zeit unterbinden.«

Homepage: www.arnehilke.de