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Kolumne auf www.blutgraetsche.de

Sammlung aus den Jahren 2000 - 2005

Für Fußballfans, die im Internet unterwegs waren, gehörte www.blutgraetsche.de zu den beliebtesten Seiten. Verschiedene Autoren schrieben kritische, ironische, heitere und nachdenkliche Kolumnen über das aktuelle Geschehen im Fußballsport und bei ihren Lieblingsvereinen. Heute gilt die Blutgrätsche als die "Mutter aller Fußballblogs".

 

Die Besucher konnten nicht nur den "Sack der Woche" und den "Held der Woche" wählen, man konnte mit seinem Tipp auch Einfluss auf das Barometer "Trainer flieg" nehmen, in dem es um die nächste Trainerentlassung ging.

 

Legendär auch die "Wahre Tabelle" der Bundesliga. Von den Schiedsrichter verschmäht oder von den Schiedsrichtern geliebt? In dieser Tabelle wurden die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter berichtigt und somit die wahre Tabelle der Bundesliga angezeigt.

 

Herzstück waren aber die Kolumnen der Autoren. Bis zur plötzlichen Einstellung der Seite Ende 2005 (die Hintergründe sind nach wie vor nebulös), gehörte Gerrit Fischer unter dem Pseudonym "Jermainator" zu den Autoren der Seite.

 

Hier finden Sie eine Sammlung der Kolumnen aus dieser Zeit. Viel Spaß beim Lesen. 

 

 

03.05.2005 - Wie Doo-Ri Cha mir WM-Tickets besorgt

 

Samstag, 27.03.05

 

Es ist Ostern. Das wochenlange Grübeln hat zu einer Entscheidung geführt. Der unbändige Wunsch, bei der vielleicht einzigen Weltmeisterschaft meines Lebens im eigenen Land live im Stadion dabei zu sein, bestimmt meine Gedanken und die Verwirklichung des Traums geht nun in seine entscheidende Phase.

 

Vier Vorrundenspiele in Frankfurt, der Heimat des zukünftigen Bundesligisten Eintracht, Achtelfinale in Frankfurt, das deutsche Spiel in Dortmund, das deutsche Spiel in Berlin: Rechnungssumme 1430,- Euro für vier Personen. Schluck. Stirnrunzeln. Aber die Entscheidung, zwei kaum realisierbare Begegnungen, ein sehr schwer realisierbares Spiel und immerhin vier machbare Vorrundenspiele auszuwählen, stimmt mich sehr zuversichtlich. Schließlich ist man bereits seit Jahren einer dieser WM-konformen Sitzplatzbesucher, die selbst vor dem Konsum diverser schrecklicher Großcatering-Produkte nicht halt machen und sich bei Ticketerteilung sogar in den WM-Shop stürzen, um sich ein official-WM-T-Shirt zu kaufen. Ja, man ist so infiziert von der großen weiten Fußballwelt, dass man selbstverständlich neben den längst ausverkauften Schlagerspielen auch die Tickets für die wenig gebuchten Spiele Griechenland-Japan und Griechenland-Mexiko geordert und seit einem halben Jahr bezahlt hat, um die Generalprobe Confederationcup zu erleben. Der Fußballgott hat es alles gesehen, er kann gar nicht anders, als mir mein Ticket zuzusprechen. Teuer erkauft, monetär und durch unzähliges Naserümpfen der alten, echten Fans, die kopfschüttelnd auf mich "Konsum-Trottel und Eventbesucher" schauen und sich selbst diese WM, die scheinbar mit Fußball nicht mehr viel zu tun hat, gar nicht erst antun wollen. Egal, man prostituiert sich, so gut man kann. Hauptsache dabei, die diktierten Spielregeln erfüllt. Los, Karten her.

 

Montag, 04.04.05

 

Man liest so einiges. Klar, die deutschen Spiele, völlig überbucht. Aber der Rest? Da geht doch was. Alle Spiele werden einzeln verlost, da muss doch ein einziges Spiel herausspringen bei sieben Versuchen. Ja, klar. Wahrscheinlich werden es so vier bis fünf Spiele. Schnell Geld eintreiben nach der Verlosung, da kommt bestimmt nen Tausender als Rechnung bei raus. Egal, Hauptsache dabei.

 

Freitag, 15.04.05

 

Nervosität. Ich bin dabei, ist doch klar. Aber wieviele Tickets werden es? Wann erfahre ich es? Oh, erst in einer Woche. Radio: Betrugsversuch, über 2 Millionen Bestellungen werden nicht akzeptiert. Geil. Oho, armes Konto. Das wird tatsächlich vierstellig. Vielleicht bei ein, zwei Vorrundenspielen doch mal Pech haben? Nee, egal, diese WM ist nur einmal. Her mit den Tickets. Ja, ich hab welche, kriege es halt erst in einer Woche mitgeteilt. So wird es sein. Na gut.

 

Freitag, 22.04.05

 

Der Tag der Mitteilung. Die drei Mitstreiter anrufen, Geldüberweisung veranlassen. Schließlich wird bald abgebucht. Aber wie viel? Aufgestanden. PC angeworfen. Noch kein Email-Eingang. Mist.

 

Email-Eingang: keine ungelesenen Mails. Naja, kommt bald. Email-Eingang: keine ungelesenen Mails. Mh, ja, die Absagen zuerst, ist schon klar. Email-Eingang: keine ungelesenen Mails. Logisch, die Leute sollen erstmal ihre Absagen alle haben. Email-Eingang: keine ungelesenen Mails. Mh, langsam ist es komisch. Email-Eingang: keine ungelesenen Mails. Warten. Und nochmals Warten. Umhören, was haben die anderen Besteller so zu berichten?

 

Im Forum der Eintracht kommt jemand mit dem Hinweis, der CostumerSelfService der FIFA funktioniere wieder, man könne gucken, ob man Tickets zugeteilt bekommen habe. Einloggen. Vorfreude. Fußballgeilheit.

 

Alle Spiele aufgelistet. Wahnsinn. Alles hat geklappt? Nett, grins. Wußte ich doch vorher. Lach. Aber was steht da drunter, irgendwas vom Status nicht erfolgreich? Wie??? Alle Spiele??? Nicht erfolgreich??? Ich??? Der perfekte WM-Besucher, der die Wurscht frisst, egal wie sie schmeckt, der die warme abgestandene Brühe exorbitant hoch bezahlt und der bis eben noch das official-WM-T-Shirt kaufen wollte??? Muss ein Irrtum sein. So läuft's nicht. Kann nicht sein. Irrtum. Halt die Technik. Oder etwa...Pech gehabt?

 

Email-Check: eine ungelesene Email. "Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Ihnen keine WM-Tickets..."

 

Ach, leckt mich am Arsch, ich werde Hooligan und hole mir noch heute Abend mein Stadionverbot ab. Von mir aus für die Zeit bis zur Universummeisterschaft 2048 auf dem Mars. Scheiß-Fußball. Scheiß-Welt.

 

Samstag, 23.04.05

 

Nun doch kein Hooligan geworden. Aber Wurscht kritischer gegessen. Eintracht auf nem Aufstiegsplatz. Alles wird relativ. Bundesliga in Frankfurt? Bloß kein Hooligan werden.

 

Sonntag, 24.04.05

 

Notfallplan. Nächste Verkaufsphase. Eingehendes Studium der Ticketvergabe. Nur Teamserien. Schon 13 sind vergriffen.

 

Tagelange Analyse begonnen. Ich will dabeisein. Ich reise gern. Ja, ich will so eine Scheiß-Teamserie (TST). Ist ne Wundertüte. Kann überall sein. Möchte ein TST5-Ticket. Bin also bei Achtel- und Viertelfinale dabei. Mit Glück vielleicht sogar bei nem deutschen Spiel? Mit viel Glück ("mein TST-Team ist in deutscher Gruppe, scheidet aus, Deutschland wird Gruppensieger) passt alles und meine Karte wird zum TST-Deutschland-Ticket. Geile Sache. Und sogar Spiele im heimischen Waldstadion? Oder doch im Zweitligatempel von 1860 München? Ok, welche Mannschaft?

 

Nun wird's schwierig. Das Team sollte sich möglichst sicher qualifizieren, es muss noch ein TST5-Ticket verfügbar sein, mir sollte das Team sympathisch sein. Tabellen- und Spielplananlyse. Stundenlang. Ich kenne mich nun aus im Weltfußball. Verschiedene Teams kommen in Frage: Elfenbeinküste, Nigeria, Südkorea, Paraquay, Ecuador, Frankreich, Ukraine.

 

Samstag, 30.04.05

 

Zwei Teams kommen in die engere Auswahl. Ich entscheide mich zum einen für Nigeria. Ich mag sie, die schwarzen afrikanischen Fußballkünstler. Ich erwarte die Qualifikation im Duell mit Angola. Meine Analyse kommt zum Schluss, dass sich Nigeria letztendlich deutlicher qualifiziert als die ebenfalls stark in Erwägung gezogenen Männer der Elfenbeinküste. Oder doch Eintrachts vielleicht einzigen WM-Teilnehmer Doo-Ri Cha supporten mit einem Ticket für Südkorea? Ich erinnere mich an die letzten Wochen. Denke daran, wie dieser feine Kerl, der für die Fans immer ansprechbar ist, den man einfach gern haben muss, in Topform gespielt hat. Wie er kämpft, rackert und bis zum Umfallen läuft und nun sogar in bester Torjägermanier einnetzt. Dieser Doo-Ri hat großen Anteil daran, dass der Fußballalltag eines Frankfurter Fans bald wieder erstklassig ist. Ja, ich will ihn unterstützen. Zu Ehren von Doo-Ri Cha werde ich zum Südkorea-Fan. Ja, eine gute Entscheidung, die Flagge werde ich hoffentlich auch nach der WM noch oft im Waldstadion gebrauchen können. Eine Flagge als Verneigung vor Doo-Ri Cha. Südkorea. Ich spüre, wie die Identifikation in mich kriecht. Wie die Augen ein wenig spannen. Wie ich asiatische Höflichkeitsformen in mir aufnehme. Wir sind Papst. Ich bin Südkoreaner. ???

 

Montag, 02.05.05

 

Voller felsenfester Überzeugung, dass ich mit diesem cleveren Schachzug bald im Besitz einer Zusage für WM-Tickets sein werde, schmeiße ich den PC an. Erste Zweifel kommen auf. Südkorea. Zwei Auswärtsspiele, zwei Punkte Vorsprung. Doch Nigeria? Schaffen die es denn wirklich? Angola, der direkte Konkurrent, ist mir bisher nur von sächsischen McDonalds-Filialen ein Begriff gewesen. "N` Hamburger un Angola" war weniger aufregend als die Konfrontation mit dem 17. Juni. Denn da spielt Angola in Nigeria. Bei einem 2-Punktevorsprung also ein ganz entscheidendes Spiel um die WM-Qualifikation und um meine WM-Tickets. Eine heiße Kiste. Aber als Fan der Eintracht hat man so seine Erfahrung mit entscheidenden Spielen. Nigeria und die Eintracht. Super-Eagles und hessische Adler. Jay-Jay Okocha einst und jetzt. Ein Mann, der in Deutschland schon das Tor des Jahres erzielt hat, der wird als Kapitän die Super-Eagles zur WM führen. Ja, das wird er. Und wer das Nichtabstiegs-5:1 gegen den FCK und das Aufstiegs-6:3 gegen Reutlingen miterlebt hat, der kann frohen Mutes sein.

 

Ich schäme mich. Ich bin Südkoreaner. Doo-Ri Cha ist mein Bruder. Wie konnte ich kurzzeitig schwarz sehen und mich nigerianisch fühlen? 12.00 Uhr. Eine Sache von wenigen Minuten und ich bin am vorläufigen Ziel meiner Träume: Das TST5-Ticket für mein Südkorea. Denke ich.

 

Falsch gedacht. Bestellung abgesandt, aber statt einer Bestätigung wird ein Warteraum angezeigt. Was soll ich machen? Warten, wie der Name suggeriert oder nochmal bestellen, auf die Gefahr hin rauszufliegen, weil ich doppelt bestellt habe. Ich warte. Und warte. Und warte immer noch. Panikattacke. Die WM ohne mich. Ich probiere es nochmal. Nun ein Warteraum mit Countdown, dann wieder Fehlermeldungen. Die Ticketschancen schwinden. Überall taucht das böse Rot auf: Ausverkauft. Ich werde zum Nigerianer, wäre gern Ukrainer, wünschte, ich dürfte Paraquayer sein, fühle mich als wäre ich seit Jahren in Ecuador. Nutzt nichts. Ausverkauft. Panik. Ich habe die gesamte WM-Quali studiert. Klausurstimmung. Verdammt. Ich brauch Tickets. Togo, Sambia, Senegal? Punktgleich - das weiß ich auswendig. Restprogramm? Scheiße, zu wenig gelernt. Durchgefallen. Österreichs Finalserie TST7 ist ausverkauft. Die Panik beschäftigt sich mit der Frage, ob San Marino oder Zypern bessere Chancen haben, sich zu qualifizieren. Da gibt's noch Tickets.

 

Auszeit. So gehts nicht weiter. Frust. Langsam begreife ich, dass ich nicht dabei sein werde. Traurigkeit. Ich bin nicht nur WM-konform, ich war allein an diesem Tag ein so multikultureller Weltenbürger, dass ich den Friedensnobelpreis verdient hätte und nicht nur ein WM-Ticket.

 

Doch das Unfaßbare passiert. Der CostumerService wird aufgerufen und was sehe ich: Ich alter Asiate habe die TST5-Tickets für meine südkoreanischen Freunde zugesprochen bekommen. Die Chaos-Auslosung hat ein Happy End. Aber ich bin fertig mit den Nerven. Was habt ihr mir da angetan? Ich bin dabei. Danke.

 

Freitag, 03.06.05

 

Tashkent, Usbekistan. WM-Qualifikationsspiel von Südkorea. Ich zittere und bete, dass mich Du-Ri nicht im Stich läßt. Was wäre, wenn sich mein Team nun gar nicht qualifiziert? Nein, das wird nicht passieren. Schließlich wird Doo-Ri das entscheidende Tor schießen und ich werde meinen Enkeln von jenem Sommer damals im legendären Jahre 2005 erzählen, als mir Doo-Ri Cha höchstpersönlich die WM-Tickets besorgte. Mit seinem Dreierpack im entscheidenden Spiel am 17.08.05 in Soul gegen Saudi-Arabien. Genau der Doo-Ri, der mir sozusagen auch die Bundesliga-Dauerkarte für die Saison 2005/2006 mitermöglicht hat. Meine Enkelkinder werden staunen. "Ja, ja, Kinder, euer Opa und der Doo-Ri Cha, wir waren damals ein prima Team".

 

Freitag, 09.12.05 (Traum-Vorschau)

 

WM-Auslosung. Leipzig. Südkorea wird in Gruppe A gelost und erhält die Position A2. Das bedeutet, ich bin beim Eröffnungsspiel dabei. Ätsch, ihr Gewinner aus Verkaufsphase 1.

 

Dienstag, 20.06.06 (Traum-Vorschau)

 

WM-Stadion Hannover. Deutschland steht als Gruppensieger fest. Im direkten Duell um Platz 2 spielt ausgerechnet Nigeria gegen Südkorea. In einem mitreißenden Spiel siegen die Nigerianer schließlich dank eines überragenden Okocha mit 4:3. Südkorea trauert und ist ausgeschieden, das TST5-Ticket jedoch überträgt sich auf das deutsche Team. Danke ihr Koreaner, ihr habt einen Platz in meinem Herzen erkämpft.

 

Ich bin dabei, wenn Klinsis Mannen im Achtelfinale England schlagen und im Viertelfinale Argentinien bezwingen. Ich habe drei Spiele des Weltmeisters 2006 sehen dürfen.

 

Und ich erinnere mich voller Freude an diesen grauen Freitag im April, als ich viel zu vorschnell voller Traurigkeit die WM zum Teufel wünschte.

 

PS: Wer diesen Text als Anregung für eigenes Handeln missbraucht, ist verpflichtet, sich am Jermi-Fond zum Besuch des Spiels Südkorea-Saudi-Arabien am 17.08.05 zu beteiligen.

 

In diesem Sinne

 

Herzlichen Glückwunsch allen Karteninhabern und viel Glück all denen, die es weiterhin probieren. Manchmal kommt man per Umweg sogar besser ans Ziel und hat mehr gesehen als die, die auf der Autobahn geblieben sind. Kopf hoch, weiterkämpfen. Und wenn es doch nicht klappt: Freuen wir uns auf die neue Saison und den Alltag unserer Lieblingsmannschaften in der Liga.

 

Gruß vom Jermainator

 

Aktuelle Anmerkung:

 

Tatsächlich wurde Südkorea in die Vorrundengruppe mit Togo, Frankreich und der Schweiz gelost. Leichte Enttäuschung machte sich breit, aber letztlich war der Besuch der fünf WM-Spiele im Jahre 2006 ein absoluter Traum für mich. Ich sah im heimischen Frankfurter Waldstadion am 13.06.2006 einen 2:1 Erfolg der Südkoreaner gegen Togo. Am 18.06.2006 folgte ein traumhafter Tag in Leipzig mit einem 1:1 von Südkorea gegen Frankreich mit dem legendären Zinedine Zidane, der sich drei Wochen vor seinem Karriereende befand. Krönender Abschluss der Vorrunde war dann ein riesiges Fest unter Freunden zwischen Schweizern und Südkoreanern in Hannover am 23.06.2006. Die Schweiz siegte 2:0, schied aus und das Teamticket übertrug sich auf den Gruppensieger Schweiz.

 

Im Achtelfinale folgte ein auf dem Papier zwar nicht besonders attraktives Spiel mit der Paarung Ukraine gegen die Schweiz. An jenem 26.06.2006 sah ich in Köln aber ein spannendes Spiel, was die Ukraine erst im Elfmeterschießen für sich entschied. Das Schweizer-Teamticket übertrug sich somit auf die Ukraine.

 

Das Viertelfinale bescherte mir ein Spiel des späteren Weltmeisters Italien. Wie es der Zufall wollte, konnte ich zwei Nächte vor dem Spiel ein zweites Ticket für dieses Spiel im Internet-Ticketshop der FIFA ergattern. Und so folgte am 30.06.2006 ein unvergesslicher Ausflug zusammen mit meinem Vater nach Hamburg. Im Trikot der Italiener drückten wir der Squaddra Azzura die Daumen und sahen einen 3:0-Erfolg ohne zu wissen, dass wir den Weltmeister gesehen hatten.

 

Nicht die Spiele waren in jenem Sommer 2006 das Faszinierende an der Weltmeisterschaft. Es war die Stimmung in den Städten, in den Zügen, zwischen den Menschen. Deutschland war anders, freundlich und offen. Die unbeschreibliche Stimmung von damals war eine Erfahrung, die ich nie missen möchte und an die ich mich immer wieder gerne zurückerinnere.

 

Genau wie an jenen Tag, an dem ich das Training der Nationalmannschaft von Saudi-Arabien besuchen wollte. Das Team der Araber hatte sein Quartier in meinem Wohnort Bad Nauheim aufgeschlagen. Im Trainingsanzug schlenderte ich zum Bad Nauheimer Waldstadion, doch vom Team fehlte zur angekündigten Trainingszeit jede Spur. Ich wartete ein wenig und begab mich wieder auf den Heimweg. Unterwegs hielt ein Wagen neben mir mit Münchner Kennzeichen. Auf Englisch fragte mich ein Mann nach dem Weg zum Stadion. Ich erklärte es ihm mit dem Hinweis, dass die Mannschaft offenbar aber noch im Teamhotel sei. Der Mann stellte sich als palästinensischer Sportreporter vor, und fragte mich, ob ich wüsste, wo das Mannschaftshotel sei. Ich bot ihm an, einzusteigen und ihm den Weg zu weisen. Wir fuhren, leider nach palästinensischen Verkehrsregel zum Hotel Dolce im Nauheimer Kurpark, wo weit und breit kein Parkplatz frei war. Ich stieg aus und erklärte der vor dem Hotel stehenden Polizeistreife, dass der ausländische Reporter dringend zur Mannschaft müsse und ob wir mitten auf der Grünfläche parken dürfe. Durften wir, es war WM, alle Menschen waren entspannt mit südländischer Gelassenheit, selbst die Polizei. Ich wollte mich verabschieden, doch der palästinensische Reporter wollte, dass ich mitkomme. Er bräuchte jemanden, der sich auskenne. Mein Outfit, ein Trainingsanzug, störte niemanden und ich wurde problemlos als sein Assistent ins Hotel gelassen. Im Foyer warteten schon einige Spieler und das Trainerteam. Wir wurden vom brasilianischen Trainer Marcos Paqueta per Handschlag freundlich gegrüßt. Während des Interviews konnte ich mit den wenigen englisch sprechenden Spieler, wie Stürmerstar Sami Al-Jaber ein wenig unterhalten. Wir blieben noch, bis der offizielle Mannschaftsbus vorgefahren wurde und verabschiedeten uns vom Team, das bei der Weltmeisterschaft leider nach Niederlagen gegen die Ukraine und Spanien und einem Unentschieden gegen Tunesien schnell wieder die Heimreise antreten musste.

 

 

17.03.2005 - Vom Opfer zum Täter in drei Tagen

 

Wieder einmal ist der Tag gekommen, an dem man sich schämen muss, ein Fan der Frankfurter Eintracht zu sein. Dieser Verein ist schließlich von höchster Stelle, nämlich genau der Institution, dessen Sprecher sich selbst den bisher unbekannten Posten zwischen Gott und Papst angedacht hat, aufs Heftigste gebrandmarkt worden.

 

Als vorbildlichem Fan ist mir gerade klar geworden, dass unser Trainer Friedhelm Funkel zu den „Rasenden“ gehört, der „Vorbild für Randgruppentäter auf den Rängen“ ist. Ich friedliebender Mensch unterstütze also Leute, die eine „Brutalisierung am Spielfeldrand“ bis zum „Eskalationspunkt“ betreiben. Diese Leute dort auf meiner so geliebten Eintrachtbank seien „Heuchler“, die Bank mit den von mir doch so sympathisch erachteten Menschen sei „der größte Saustall, den ich je gesehen habe“. Und „solche Leute wundern sich noch, wenn es auf dem Spielfeld genauso chaotisch zugeht“. Oh weh. Die Scham steigt mir ins Gesicht. Oh je, oh nee. Meine Eintracht, so böse? Bestimmt nur mal nen Ausnahmefall. Nein, die Botschaft ist deutlich: Funkel „gehört zur Stammkundschaft“. Und wenn er bei den Fehlleistungen seiner Spieler mal ähnlich reagieren würde, dann „hätten sie den bei Frankfurt längst rausgeschmissen“.

 

Verdammt. Die Eintracht-Bank. Teil der Achse des Bösen. Bin Laden, Hussein, Funkel, Reutershahn. Oder unpolitischer: Mourinho, Funkel, Reutershahn.

 

Ich bin ein selbstkritischer Fan und muss ernstnehmen, was der Sprecher der Schiedsrichter, Manfred Amerell, da so von sich gibt. Denn Sprecher der Schiedsrichter zu sein, das ist in diesen Tagen ja ein wichtiger Job, der sicher mit Bedacht ausgewählt worden ist. Ganz sicher wird diese Position mit einem Diplomaten besetzt worden sein, der in den Tagen der „Fair-play für Schiris“-Aktionen deeskalierend und beruhigend auf die Fußballgesellschaft einwirkt und damit seinen Teil der Vorbildfunktion leistet. Er wird auch kompetent sein und sicherlich nicht selbst als Schiedsrichterbeobachter die Verhängung des Strafstoßes am Montag als „richtig und regelkonform“ betrachtet haben.

 

Ich gebe zu, dass ich mich zunächst über die vielleicht aufstiegsentscheidende Fehlentscheidung des Herrn Weiner im Spiel bei 1860 aufgeregt habe. Mir ist das peinlich. Was ist ein Aufstieg und all die Millionen, die es zu verlieren gilt, gegen diese oben beschriebenen Vorwürfe? Die Fehlentscheidungen sind doch nicht die Rede wert. Und so verstehe ich, dass aus dem vermeintlichen Opfer Eintracht Frankfurt binnen weniger Tage ein Täter wurde.

 

Break. Ernsthaftigkeit. Göttlicher Herr Amerell, fragen Sie sich doch mal selbstkritisch, ob Sie der Schiedsrichterriege einen Gefallen tun, wenn Sie im Amt bleiben. Sie sind es, der den Hass schürt, der die Gemüter zum Kochen bringt, der dafür sorgt, dass die Situation eskaliert. Es ist Ihre unglaubliche Arroganz, jeden Fehler vertuschen oder schönreden zu wollen. Sie und einige Ihrer noch aktiven Kollegen machen sich umso angreifbarer, je mehr Sie die Größe vermissen lassen, Fehler wenigstens zuzugeben. Fehler sind menschlich. Emotionen gehören dazu. Und meine Emotionen bzgl. der Fehlentscheidung von Montag wären längst abgeklungen, wenn Ihre Verhaltensweise mich nicht rasend gemacht hätte. Sie, Herr Amerell, sind eher Auslöser für Dummheiten der Randgruppentäter als es Funkel je sein wird. Da komme sogar ich auf den Gedanken: „Willi, damals in Dortmund, das war ne coole Sache“. Pierluigi Collina hat vielleicht ein paar Minuten Zeit, um Ihnen Nachhilfe zu geben, wie man mit einem vernünftigen Auftreten Menschlichkeit und Autorität unter einen Hut bringen kann. Viele Ihrer aktiven Kollegen könnten sich das dann gerne auch mal anhören.

 

Es ist eine Frechheit, Friedhelm Funkel in eine Ecke mit Mourinho zu stellen und im Windschatten der Frisk-Geschichte derart populistisch die Konfrontation zu suchen. Zeit für einen Rücktritt, Herr Amerell.

 

Jermainator

 

 

16.06.2004 - Eintrachts neuer Trainer

 

Immer wieder gibt es im Leben Augenblicke, in denen man sich die typischen Fragen des Lebens stellt, auf die man keine Antwort weiß. 1. Da ist der Mann in seiner Lebenskrise, der sich fragt, welchen Sinn eigentlich das Leben hat. 2. Da ist die Frage des naiven Kindes, wer denn eigentlich Gott erschaffen hat. 3. Da fragt man sich, warum man wegen manch mittlerweile seltsam anmutenden Weiblichkeit damals im Teenageralter in die Tiefen des Liebeskummers gestürzt wurde und heute nicht begreifen kann, wie so etwas ausgerechnet „wegen der“ passieren konnte. 4. Man fragt sich Dinge, die aufgrund des fehlenden Jugendschutzes in der Blutgrätsche nicht thematisiert werden können. Und, nun kommen wir langsam auch in den Bereich des Fußballs, 5. der Fan von Eintracht Frankfurt fragt sich, warum der neue Trainer Friedhelm Funkel heißt.

 

Anders als die Antworten auf die ersten Fragen, die nur mit Hilfe von Psychiatern (1), Pfarrern (2), Bravo-Dr.Sommer-Team (3) oder Informationsmaterial aus dem Beate-Uhse-Shop (4) unbefriedigend geklärt werden können, erschließt sich einem die Beantwortung der Frage nach dem „Warum Friedhelm Funkel?“ sogar selbst. Und zwar in mehreren Phasen.

 

Phase 1: „Der Bruchhagen will mich ganz persönlich ärgern“

 

Bruchhagen scheint ein Netzwerk aufgebaut zu haben. Er muss Spitzel und Informanten in meinem privaten Umfeld installiert haben. Er verfügt über Informationen, welche Trainer ich persönlich favorisiere und welche ganz und gar nicht. Ja, er mag mich nicht. Ich denke nach, warum. Immer habe ich ihn bisher gelobt. Nach einigen Minuten komme ich drauf: Ich habe mich mal köstlich amüsiert, als er von Premiere Ewigkeiten stehengelassen wurde mit einem Knopf im Ohr und warten musste, minutenlang, bis er endlich interviewt wurde. Ja, ich habe mich darüber lustig gemacht. „Guck mal, der steht da, wie bestellt und nicht abgeholt“. Bruchhagen schaute in die Menge der 30.000 Zuschauer. Ausgerechnet ich muss ihm in dieser Sekunde aufgefallen sein. Der Startschuß für eine unglaubliche Hexenjagd gegen mich. Er traf mich mit der Funkel-Verpflichtung mitten ins Eintracht-Herz. Er hat es mir heimgezahlt. Der Mann ist knallhart. Seine Rache ist vollzogen.

 

Phase 2: „Der Bruchhagen will die Fans ärgern“

 

Die Gedanken des Mannes sind eindeutig. „Ihr wollt Reimann nicht mehr? Ok, dann bekommt ihr Funkel, ätschibätsch!“ Puh, da hat uns Papa Bruchhagen ganz schön eine gewatscht und lacht sich tot, wie man ein ungezogenes Kind ganz einfach bestrafen kann. Hätte er uns nicht einfach unsere Sandkastenförmchen wegnehmen können?

 

Phase 3: „Bruchhagen kann sich nichts anderes leisten“

 

Mh, mittlerweile sind 24 Stunden vergangen und man fragt sich, ob es finanziell nun einmal für Bruchhagen keine andere Wahl gab. Wahrscheinlich hatte Bruchhagen eine Trainertagung besucht und kurz um Aufmerksamkeit gebeten: „Hallo erstmal, ich weiß ja nicht, ob Sie's schon wussten, aber ich bin der Chef von der Eintracht, ne? Und wir suchen da gerade einen Übungsleiter, der darf aber nicht viel kosten. Und der bekommt auch nur einen Einjahresvertrag, natürlich ohne jegliche Option. Würde das denn jemand von Ihnen machen?“ Und es meldeten sich tatsächlich vier Männer. „Ja, hat denn einer von Ihnen so was schon mal gemacht?“ Die drei Servicekräfte mussten passen und Funkel konnte bejahen: „Keine Ahnung wie man sich rasiert, aber 'ne Mannschaft aufgestellt habe ich schon. Ich habe sogar schon mal drei Spieler rausgeworfen“. Gut, dachte sich da Heribert, und nahm ihn gleich mit. Hätte er mal lieber nachgefragt, welche Spieler er aussortiert hatte…

 

Phase 4: „Abwarten und wirken lassen“

 

Nun also doch mal endlich den Beipackzettel gelesen. Einnahme des Medikamentes Funkel. Direkt nach der Einnahme können Nebenwirkungen wie Unwohlsein oder Schlimmeres auftreten, dann allerdings entspanne sich der Körper. Ein Funkel würde langfristig schon helfen. Man solle das Medikament nicht gleich absetzen, es sei wirksam, auch wenn es zunächst nicht schmecke. Es soll ja auch nicht schmecken, sondern helfen. Das sehe ich ein. Nun ja, dann lutsche ich den Drops mal ein paar Tage und schaue mal was passiert.

 

Phase 5: „Der Funkel ist ja doch gar nicht so übel, oder?“

 

Im Forum diskutieren sie wie wild. Habe mich zurückgehalten, da das Medikament noch nicht so wirkt. Ich hatte ja gehofft, ich bekäme richtige Drogen verordnet, die einen sofort high machen und nun lutsche ich die Medikamente schon Tage und nur ganz leichte Besserung ist zu spüren. Die holen da Statistiken raus, die beweisen, dass er gar nicht so ein Defensivtyp ist, er ist oft aufgestiegen und blieb recht lange bei seinen Vereinen. Zu allem Überfluß loben auch noch Kölner den neuen Trainer. Und vor Wochen hatte jemand geschrieben, man solle doch dem neuen Trainer eine Chance geben und sich nicht von Vorurteilen beeinflussen lassen, sondern sich erstmal informieren. Ohje, das hatte ja ich selbst geschrieben! Verdammt, ich wollte damals doch die Rangnick-Gegner auf meine Linie bringen, aber dann kam ja alles anders. Nun muss ich mich auch noch an meine eigene Worte halten. So spielt einem also das Leben mit. Naja, so verkehrt ist er ja nicht, der Friedhelm. Die Frage ist nur, rede ich es mir ein oder meine ich das auch so? Ich glaube, ich rede es mir langsam ein, aber ich merke noch, dass der Wille es zu glauben da ist, aber es reicht noch nicht.

 

Phase 6: „Eine faire Chance für Friedhelm – unvoreingenommen auf die Saison freuen“

 

Naja, der Eintracht hätte Aufbruchstimmung ganz gut getan, aber so richtig hat das bisher nicht geklappt. Das Gefühl, welches man nicht beeinflussen kann, ob man sich nun so richtig von ganzem Herzen auf die Saison freut, der neuen Spielzeit euphorisch entgegenfiebert, von den Entscheidungen rund um den Verein begeistert und überzeugt ist, nein, das hat sich bei mir leider noch längst nicht eingestellt. Wohl aber die Meldung des Verstands, der einem sagt, dass man an die neue Saison möglichst unvoreingenommen herangehen sollte und sich erstmal selbst ein Bild vom Trainer machen sollte, bevor man urteilt. Wenn der Rauch der gefühlten Vorurteile verzogen ist, dann wird der Blick wieder klarer. Noch stochere ich ein wenig im Nebel, noch steht aber auch der Kader noch nicht komplett fest. Das Fieber der Eintracht wird mich wieder ergreifen, aber es steigt nicht so stetig an, wie ich es mir nach dem Abstieg erhofft hatte. Es wäre falsch sich nun alles schönreden zu wollen. Aber man sollte immer wissen, was Fairness bedeutet. Zeit zu beweisen, dass Professionalität im Fußball nicht nur von der Vereinsführung, sondern auch im eigenen Denken möglich ist. Die Verlängerung mit Kapitän Alex Schur würde es mir und vielen anderen viel leichter machen, damit die gefühlte Temperatur wieder steigt.

 

Eine faire Chance für Friedhelm Funkel – vielleicht schafft er es ja sogar, nicht nur den Verstand, sondern auch den Bauch zu überzeugen. Warten wir's ab.

 

Gruß vom

 

Jermainator

 

 

26.05.2004 - Auf Wiedersehen, Eintracht!

 

Verdammt, es ist passiert!

 

Wir haben uns verabschiedet von der großen Bühne des Fußballs, wir sind nicht mehr dabei, wenn in der glitzernden Welt der Großen die Fußballstars gegeneinander antreten in einigen der schönsten Arenen der Welt und den Kult des Fußballs zelebrieren.

 

Als ob das nicht traurig genug wäre, sind unsere kleinen Nachbarn nun im Fokus der Öffentlichkeit. Die Welt schaut auf sie, die Welt feiert sie und wir müssen zusehen, wie unsere nur wenige Kilometer entfernten Rivalen siegestrunken durch die Straßen ziehen und sich und ihr Team feiern.

 

Es ist also passiert, die deutsche Nationalelf ist in Portugal bei der EM 2004 in der Vorrunde gescheitert, während unser kleines Nachbarland Holland das Finale erreicht hat. Ganz bitter.

 

Aber egal, es hat ja nicht im geringsten mit meiner Eintracht zu tun.

 

Oberflächlich betrachtet mag in Frankfurt Trauer herrschen, das dachte ich bis eben auch. Aber beim Ablenkungsmanöver griff ich auf einen Pippi-Langstrumpf-Film zurück und das Ziel der Verdrängung wich, da in mir ein neues Weltbild entstand. „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Interessant. Man muss nur lange genug analysieren und dann muss man einfach auf die Wahrheit stoßen:

 

Es wird kompliziert, ich hoffe ich drücke mich verständlich aus. Zunächst muss man einfach mal die Zielsetzungen 2003 und 2004 vergleichen. Hatte die Eintracht im letzten Jahr noch das Ziel, bloß die Klasse zu halten, will man dieses Mal um die Meisterschaft spielen und zumindest einen der ersten drei Plätze erreichen. Also eine klare Steigerung im Anspruchsdenken. Mainz hingegen muss kleinere Brötchen backen. Wollte man 2003 noch im Blick auf die Saison „oben mitspielen“ wird man im Sommer 2004 davon sprechen, dass Platz 15 ein Traum wäre. Welch ein Abstieg in der Erwartungshaltung. Knallharte Fakten.

 

Nun kommen die ewigen Nörgler daher und werfen fadenscheinige Argumente von wegen Ligazugehörigkeit ein. Da ist dann wohl ein großes Defizit an Fachwissen aufgebrochen, anders kann ich diese Menschen mit ihren polemischen Hinweisen nicht verstehen. Wer kann denn mit Sicherheit beweisen, ob die Premier League, die Serie A oder die Primera Division die beste der Welt ist. Alle Experten tun sich schwer, Ligen zu kategorisieren. Also Finger weg, Ihr Laien.

 

Bundesliga bleibt Bundesliga. Ja ok, ich gebe mich geschlagen und nehme nun Stellung, warum es mit den Zahlen 1 und 2 nicht weit her ist bei der Argumentation:

 

Die 1. Liga besteht aus 15 Vereinen, weitere 3 Zweitligisten (nach dem ersten Spieltag laut Tabelle) befinden sich im Ranking, die aus formalen Gründen erst im Mai umgruppiert werden. In der 2. Liga befinden sich ebenfalls 15 Vereine und zusätzlich 3 Erstligisten, die formell auch erst im Mai umgruppiert werden. Schuld ist wieder einmal das Geflecht aus DFB und DFL, die mit ihrer behäbigen Bürokratie einen viel zu starren Spielplan entworfen haben, so dass die drei in der ersten Liga auf einem Abstiegsplatz befindlichen potentiellen Zweitligisten trotz ihrer tabellarisch bewiesenen Zweitklassigkeit am Spielbetrieb der Großen teilnehmen dürfen für einen garantierten Zeitraum von 10 Monaten. Skandal, Kommerzialisierung wie in Amerikas NFL. Die Eintracht als potentieller Erstligist ist Opfer dieser Behäbigkeit der Spielplangestaltung und wird im August trotz Belegung einer der ersten drei Plätze nicht sofort umgruppiert, sondern erst im Mai des Folgejahres. Wo kommen wir hin, wenn das Mode wird, dass ein Unternehmen solange benötigt, um auf einen Sachverhalt zu reagieren. Zum besseren Verständnis: Die drei formellen Zweitligisten mit tabellarisch bewiesener Erstklassigkeit müssen 10 Monate auf die Reaktion der Umgruppierung der DFL warten. Das ist in etwa so, als wenn Ihr mit einem festgestellten akuten Blinddarmdurchbruch als Notfall geltet und aus rein formalen Gründen erst 10 Monate später operiert werdet.

 

Ich sehe schon die Mails der Warum-auch-immer-Anhänger des kleinen Vorstadtvereins aus der Regionalliga, die mich beschimpfen, weil sie wieder einmal meinen Beitrag nicht verstanden haben. Sie mögen sich an die Mainzer wenden, sie werden es ihnen erklären. Und auch die Mails derer, die versuchen, argumentativ gegen wissenschaftlich bewiesene Jermainator-Ausarbeitungen vorzugehen und mich fragen, warum ich davon in der abgelaufenen Saison nichts geschrieben habe.

 

Ist es denn immer noch nicht angekommen, dass uns ein Blick zurück nicht weiterhilft? Man muss immer nach vorn schauen, nur so kann man unser Land und unseren Fußball nach vorne bringen. Seid nicht ewig gestrig und schaut nach vorn.

 

Zu guter Letzt komme ich der Verpflichtung der sportlichen Fairness nach und gratuliere der Konkurrenz zum sportlichen Erfolg:

 

Beim FCK fallen mir weder ernstgemeinte Glückwunschbotschaften noch geeignete Adressaten ein. Der Wille war da, aber es geht nicht, sorry.

 

Bei Mainz, man höre und staune, fällt mir das leichter. Kaum ein Verein hat es so verdient, endlich in der Beletage angekommen zu sein, wie der FSV Mainz 05. Beeindruckend war weniger die aktuelle Saisonleistung, da gab es schon stärkere, aber die psychische Stärke und Moral, immer und immer wieder aufzustehen und oben mitzuspielen, allen Rückschlägen zum Trotz. Das nötigt mir Respekt ab. Mainz mag nicht über die Tradition der Eintracht verfügen (der Hinweis gehört hier einfach rein), aber sie haben sich etwas ganz Eigenes aufgebaut. Das kann einem gefallen oder auch nicht. Es bleibt eine eigene Identität. Viel Glück da oben, ein Jahr noch und dann sind wir bei Euch und versauen Euch weitere 10 Monate später die Teilnahme an Eurer ersten Döner-Cup-Teilnahme.

 

Sommerpause, Fußballerholung, warten wir mal die Personalien ab, bevor wir wieder ernsthaft werden.

 

Einen schönen Sommer wünscht Euch

Jermainator

 

 

17.05.2004 - Schlusskonferenz vom 22.05.04

 

…so, der VfB hat damit hier in der 85. Minute den Champions-League-Platz klargemacht, Zeit für Manni Breuckmann in Gladbach…

 

…83 Minuten gespielt hier am altehrwürdigen Bökelberg und die 60er, ja so schaut es aus, sind nicht mehr zu retten. Arie van Lent, der hier zum 2-1 traf, hatte eben noch einmal die Chance zu erhöhen, scheiterte aber mit einem fulminanten Schuß aus halblinker Position gut 20 Meter vor dem Tor der 60er am gut aufgelegten Andre Lenz. Hier ist die Luft ein wenig raus, 2-1 Gladbach, auf Wiedersehen ihr Löwen, was macht die Eintracht, Alexander Bleick in Hamburg?...

 

…Immer noch 1-0 für den HSV durch das frühe Tor von Beinlich aus der 8. Spielminute. Reimann spielt bereits seit der 64. Minute hier auf alles oder nichts. Seitdem sehen wir einen offenen Schlagabtausch. So auch jetzt, als der Konter der Eintracht abgefangen wird durch Jarolim, der spielt raus auf Schlicke, passt weiter rüber auf die andere Seite, da steht Beinlich, der ein prima Spiel hier macht, Schur grätscht dazwischen und treibt das Leder nach vorne auf Preuss, der hier ackert und alles versucht, doch die Eintracht trifft das Tor nicht. Vielleicht ja jetzt: Preuss auf Cha, spielt den Ball hoch in den Strafraum, Beierle Kopfball, nein, der Ball geht gute zwei Meter über das Gehäuse von Wächter, der genau wie sein Gegenüber Pröll heute so manche kritische Situation zu überstehen hatte und oftmals glänzend parierte. Der lässt sich nun Zeit, wir sind in der 84. Minute. Aber liebe Freunde, wenn’s nicht die Eintracht wäre, ich würde sagen, das Ding hier ist gelaufen, wir hören mal wie es am Betzenberg aussieht, ich rufe Armin Lehmann…

 

…ja Manni, die Fans hier sind erleichtert, führt doch der FCK mit 1-0 und der BVB macht angesichts des überzeugenden Bochumer Sieges hier einen sehr deprimierten Eindruck, kommt nochmal über den eingewechselten Madouni, der den Ball raus spielt auf Dede, langer hoher Ball in den Strafraum, Koller……… drin, Toooooooooor für den BVB, Tooooooor durch Koller, wieder mal ein Kopfball, das kam jetzt aber völlig überraschend, jetzt haben sie es eilig die Männer in Gelb, das ist klar, haben hier über die letzte halbe Stunde kaum mal eine gelungene…

 

Toooooooooooooooooooooooooooooooooooooooor in Hamburg

 

Ja, jetzt ist die Frage für wen, Alexander Bleick?

 

Toooooooooooooooooooooor durch den überragenden Christoph Preuss, der hier nicht jubelt, sondern den Ball aus dem Netz fischt und zur Mitte sprintet, wir sind hier in der 88. Minute und Preuss verwertete die Flanke von Stefan Lexa von der rechten Seite mit einem atemberaubenden Volleyschuss in den Winkel. Was ein Tor, entstanden aus einem Hamburger Konter, als Bindewald Takahara den Ball abnahm und blitzschnell mit einem weiten Pass Lexa bediente, der dann präzise flankte und nun leuchtet hier in der ausverkauften AOL-Arena das Tor von Koller für Dortmund auf und die Südtribüne kommt dem kollektiven Herzinfarkt bedenklich nahe. Anstoß nun für den…

 

…Schluß in Gladbach, 2-1…

 

…HSV, Takahara spielt zurück, der Ball geht zurück bis auf Hoogma, Beierle und Cha setzen da sofort nach, alles auf den Beinen, was offensiv ist bei der Eintracht, nach vorn gepeitscht von…

 

…Aus und vorbei in München, es bleibt beim 1-1…

 

…gut 10.000 mitgereisten Frankfurtern, die sich alle an das Saisonfinale im letzten Jahr erinnern. Die reguläre Spielzeit ist rum, Mahdavikia hart attackiert von Puljiz…

 

Tooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooor, Tooooooooooor, Toooooooooooor in Kaiserslautern………

 

…ab nach Lautern, der BVB, Armin Lehmann?…

 

Toooooooooooooooooooooooooooor, der Jubel ist schwarz gelb. Was bitte war denn da los in dieser ersten Minute der Nachspielzeit? Da ließ sich der Nenad Bjelica austanzen von Dede und der mustergültige Pass wurde abgeschlossen vom jungen Gambino, der Junge rettet hier, so scheint es, dem BVB das internationale Geschäft…

 

…Jubel in Bochum, das Spiel ist vorbei, das hat hier noch keiner realisiert, dass der BVB getroffen hat, welch ein bitterböses Erwachen wird das gleich geben…

 

…na ja, noch ist hier nicht Schluß, noch ein, zwei Minuten wird hier nachgespielt und der FCK kommt noch einmal über Hristov, vertändelt den Ball gegen Reuter, Bjelica dazwischen, wie sieht's aus in Hamburg, der Eintracht fehlt noch ein Tor?

 

Immer noch 1-1 hier in Hamburg, noch gute drei Minuten bleiben der Eintracht und die versuchen wirklich alles. Immer wieder treibt Preuss den Ball nach vorne, spielt rüber auf Kreuz, der spielt halbhoch Amanatidis an, der sich da an der Strafraumgrenze dreht und, Foulspiel ganz klar hier durch Ujfalusi, der ihm da in die Parade fährt. Eine gute Position für Skela…

Schluß in Kaiserslautern, Dortmund jubelt und Lautern zittert…

 

…ja, dieser Freistoß von Skela in der ersten Minute der Nachspielzeit kann die Saison entscheiden. Pröll kommt jetzt mit nach vorne, keiner mehr da, der absichert. Die Mauer wird immer noch gestellt. Der Ball ist noch nicht freigegeben. Ohrenbetäubender Lärm hier in Hamburg, Skela steht da seelenruhig am Ball, der Ball ist freigegeben, Skela läuft an, …, Latte, der Ball springt an die Latte, das ist doch nicht zu fassen, so dicht liegen manchmal….jetzt muss sich der Pröll beeilen, der HSV kontert und wieder ist es Takahara, spielt raus auf Schlicke, der jetzt gut 40 Meter vor dem Tor ist und niemanden mehr vor sich hat, Pröll dicht hinter ihm, Schlicke holt aus, Pröll grätscht von der Seite dazwischen, spielt den Ball sauber, kein Foul in dieser Situation, Schlicke rappelt sich auf, Laufduell mit Bindewald, der Ball trudelt in Richtung Seitenaus, Bindewald, in seinem letzten Spiel holt er sich noch einmal vielleicht den letzten Ball seiner Karriere und spielt ihn vor zu Lexa, der bereitete das Tor der Eintracht vor, gibt den Ball aber in die Mitte zu Skela, vielleicht noch eine Minute hier in Hamburg, Skela nochmal raus auf Kreuz, der HSV igelt sich nun hinten ein, Pröll wieder mit im Sechzehner der Hanseaten, Amanatidis, Zweikampf mit Hoogma, setzt sich da durch und flankt, Beierle steigt hoch, Ujfalusi klärt und köpft den Ball aus der Gefahrenzone, da steht Schur, legt den Ball rüber auf Cha, Pujiz, spielt rüber auf Bindewald, Preuss bietet sich an, langer Ball hoch in Strafraum, Amanatidis kommt da dran und …Wächter mit einer erneuten Glanzparade zum Eckball. Skela läuft zum Eckball, vielleicht noch 30 Sekunden, mehr ist es hier nicht mehr. Die Eintracht abgestiegen, wenn es so bleibt. Skela beim Eckball, Hoogma ist dran und köpft den Ball hoch hinaus und da hetzen sie förmlich dem Ball hinterher. Bindewald, Mensch, was für ein Kampf hier im letzten Bundesligaspiel, holt sich den Ball an der Seitenlinie und dreht sich um, Mahdavikia greift ihn an, und den lässt der alte Bindewald ganz alt aussehen und legt den Ball an ihm vorbei und schiebt das Leder da zum unermüdlichen Preuss, der fackelt nicht lange, Flanke auf Amanatidis, der Ball, Pfosten, mein Gott, da steht Frommer, am viel zu spitzen Winkel und….. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR, TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR, TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR, da haut der Frommer das Ding in den Winkel als ob es um sein Leben geht, das gibt’s doch gar nicht, aus dem Gewühl heraus fast schon von der Torauslinie zog er da durch und, das ist doch alles nicht zu fassen, der Mythos Fußballwunder lebt, er lebt durch dieses Team welches niemals aufgegeben hat, Frommer trifft hier zum 2-1. Ja wo isser denn? Der liegt da irgendwo wohl ganz unten im Haufen der Spieler mit schwarzen Trikots, die sich da türmen an der Außenlinie und auch Jan Kocian und Willi Reimann sind vorgelaufen und die Bilder, sie gleichen sich fast mit denen aus dem Vorjahr. Und die Eintrachtfans sie sind natürlich völlig aus dem Häuschen. Die haben Erfahrung in Last-Minute-Siegen, die haben hier nicht aufgesteckt, zu keiner Phase des Spiels. Aber, das Spiel ist noch nicht aus, hier wird wohl noch einmal angepfiffen, gehen wir nochmal rüber zu Armin Lehmann auf dem Betzenberg…

 

…Ja, Fassungslosigkeit am nunmehr wohl zweitklassigen Betzenberg, das reicht von Wut wie bei Thomas Ernst, der sein Trikot da zu Boden schleudert über Tränen, wie beim verletzten Tim Wiese, der sich zu seinen Kameraden auf den Rasen gesellte und nun bittere Tränen vergießt, Kurt Jara hält sich da die Hände vors Gesicht, auf der Anzeigetafel, welch seltsames Bild, sieht man einen jubelnden Schur in Hamburg…

 

…wo jetzt nochmal angestoßen wird und wo man nun die Aufgabe hat, sich noch einmal zu konzentrieren. Das ist nicht so einfach, die Hamburger, sie versuchen noch einmal in die Nähe des Frankfurter Tores zu kommen, Beinlich spielt raus auf Schlicke, doch wieder ist es Bindewald mit seinem wohl besten Saisonspiel, der sich den Ball erkämpft und den Ball… Schluß, Schlusspfiff in der AOL-Arena, Eintracht Frankfurt hat es geschafft, macht hier erneut das Wunder perfekt durch Tore von Preuss und Frommer und einer phantastischen Mannschaftsleistung, wo jeder bis ans Limit ging und wo man zudem mit Pröll einen phantastischen Torwart in seinen Reihen hatte. Und da feiern sie auf dem Feld und in der Gästekurve, die sich mittlerweile über das ganze Rund der AOL-Arena zu erstrecken scheint. Selbst die Hamburger Anhänger applaudieren hier, denn sie haben eine aufopferungsvoll um ihre minimale Chance kämpfende Eintracht gesehen, die hier nicht nur bei den eigenen Anhängern Sympathien gewonnen hat. Ausgelassene Freude hier in Hamburg, welch ein Saisonfinale, aber das war ja klar, denn die Eintracht war beteiligt und die ist ein Garant für Herzschlagfinalspiele.

 

 

22.03.2004 - Gefährliche Trainer in ungesicherten Gehegen

 

Nein, es fällt mir nicht leicht, heute diesen Beitrag zu schreiben. Meine Psyche steht noch ganz im Einfluß des unglaublichen einzigartigen Vorgangs, der sich am Samstag nachmittag im Dortmunder Westfalenstadion abgespielt hat. Wie soll man nun reagieren als Frankfurter Fan, wie kann man versuchen, den skandalösen Sachverhalt in seiner unendlichen Tragweite abzufedern?

 

Nun, ich arbeite heute mit Trauerflor und habe die Eintracht-Flagge in meinem Garten auf Halbmast gehisst. Ich habe noch am Samstagabend alle meine Bekannten und Freunde angerufen und mich bei Ihnen entschuldigt und mich selbstverständlich in aller Form auch im Namen meiner engsten Angehörigen ganz entschieden und ausdrücklich von jeglicher Gewalt dieser Art distanziert.

 

Gleich nachdem ich diesen Beitrag fertig geschrieben habe, werde ich beim DFB anrufen und mich erkundigen, wo ich meine mir auferlegten sozialen Stunden ableisten kann. Vielleicht kann ich eine zeitlang die Toiletten der Schiedsrichtervereinigung säubern? Oder die Unterhöschen der vierten Schiedsrichter regelmäßig waschen, die sicherlich hin und wieder etwas feucht werden, wie ich oft beobachten kann?

 

Ich bin tief erschüttert und mein Leben macht nur noch wenig Sinn. Es gibt Regeln in dieser Welt, alle wohl durchdacht und wirklich wichtig, die muss man einhalten und wer sich daran nicht hält, der ist nun wirklich in keinster Weise mehr gesellschaftsfähig. So hat ein Bundesligatrainer nun einmal ähnlich dem Affen in seinem Affenhaus einen festgelegten Auslauf, den er nicht zu verlassen hat. Der Affe an sich, als recht intelligent bekannt, schafft es aufgrund fehlender Disziplin meines Wissens nicht, sich ohne bauliche Maßnahmen in seinem zugewiesenen Terrain aufzuhalten. Daher lebt er meist im Affenhaus. Auch den anderen Tieren im Zoo traut man es nicht zu, sich ohne weiteres an die bestehenden Regeln zu halten.

 

Geht man ein paar Gehege weiter, dann trifft man auf die Gattung der Sammers und seinen Kumpanen. Dessen Gehege ist lediglich durch weiße Linien begrenzt und ich habe geahnt, dass sich diese Form der Haltung nicht durchsetzen wird. Das Sammer z.B. bricht regelmäßig aus, ist aggressiv und muss dann vom Wärter in gefährlicher Aktion wieder eingefangen und in seinen Auslauf zurückgebracht werden. So ein Sammerpfleger hat einen gefährlichen Job. Wer einem ausgewachsenen Sammer mal gegenüberstand und gesehen hat, wie bösartig dieses Wesen das Maul aufreißen kann und seinen Führungsanspruch innerhalb der Herde mit unglaublich beängstigenden Machtritualen untermauern kann, der kann sich denken, wie fahrlässig es ist, diese Gehege lediglich durch Linien zu begrenzen.

 

Nun, es musste ja so kommen. In Dortmund war es ausgerechnet ein ausgewachsenes Frankfurter Männchen, welches den Eklat auslöste. Und dieses sonst so possierliche, aber wenig zutrauliche, Tierchen wurde hier in Frankfurt von mir mit Lob, Respekt und Anerkennung gefüttert. Wer hätte gedacht, dass es einmal eine solche Gefahr darstellen sollte? Und deshalb bin ich nun auch so deprimiert und fühle mich schuldig.

 

Das Reimann konnte bisher immer ohne Verschluss in jedem Stadion gehalten werden. Ähnlich einer Echse bewegte es sich selten, saß meist stumm auf seiner Bank herum und bewegte sich nur, wenn es sein Ritual, den sogenannten Lexa-Wechsel, vollzog. Das war immer ganz süß anzusehen. Aber am Samstag krabbelte es dann aus seinem Gehege und griff den Wärter an. Todesmutig hatte sich dieser dem bedrohlichen Tier entgegengestellt, mit ausgebreiteten Armen blickte er dem Gegenüber tief in die Augen. In tiefer Absicht, die Menschen vor dem heranstürmenden Ungeheuer zu schützen. Man muß diesen Tieren zeigen, wer der Wärter ist, muss zeigen, wer hier das Gehege im Griff hat. Den Besuchern der Arena stockte der Atem wie zu Zeiten der Kämpfe im alten Rom nicht mehr. Die Bestie fuhr ihre Pranken aus und griff den Wärter an. Beide Pranken hätten sich wohl tief in den Oberkörper des Wärters gebohrt, aber der mutige Mann hatte unglaubliches Glück und überlebte mit einem schweren Schock. Angewidert wendeten die Zuschauer ihren Blick ab und erst als der Oberwärter einschritt, ließ das aggressive Tier vom Wärter ab.

 

Naja, ein Trainer bleibt ein Trainer, egal wie man ihn auch dressiert hat. Das hat Roy spüren müssen, und nun dieser mutige Wärter. Man wird die Trainer in Zukunft in Käfigen halten müssen, denn sie werden immer eine latente Gefahr für die Menschheit darstellen. Gut, dass es mutige Wärter gibt, die sich den Trainern in den Weg stellen, und uns davor bewahren, dass diese Tiere das Gehege verlassen. Denn das ist schließlich das Allerschlimmste, was einem im Sport widerfahren kann. Ein ausgebrochener Trainer!

 

Mist, ausgerechnet ein Frankfurter Exemplar. Zum Glück ist es nicht eingeschläfert worden. Wir werden es nun einige Zeit im Hochsicherheitstrakt halten müssen und dann könnt ihr es vielleicht wieder mal in einem, natürlich besser gesicherten, Gehege beobachten können. Immer wieder gibt es Tote in der Formel 1 und immer wieder brechen gefährliche Trainer aus. Hört auf mit dieser Effekthascherei und sichert endlich die Käfige besser ab.

 

Es tut mir alles so wahnsinnig leid, ihr müsst mir das glauben.

 

Euer Jermainator

 

 

11.03.2004 - Jermis CL-Kommentar: And the winner is... Eintracht Frankfurt

 

Da freut man sich also einigermaßen auf zwei schöne Champions-League-Abende. Für einen Eintrachtfan mal ein anderes und erholsames Vergnügen. Schließlich sieht man die Topteams und kann sich recht emotionslos und ohne Aussicht auf Herzinfarkt auf tollen Fußball freuen. Nicht Abstiegskampf in der Bundesliga, sondern den großen Fußball will man sich nun mal ansehen.

 

Gelohnt haben sich die beiden Fernsehabende nicht. Gewinner dieser beiden Spieltage in der Königsklasse ist für mich Eintracht Frankfurt. Wer hätte gedacht, dass alle letzten Auftritte unseres Teams interessanter waren als das Gekicke von 3,5 Millionärstruppen zusammen. Ehrlichen Fußball wollte ich sehen, aber da muss ich wieder auf Samstag warten.

 

Die armen Stuttgarter kommen bei meiner Wertung noch am besten weg. Das war ja gar nicht so übel, allerdings fehlte vorne die Durchschlagskraft und die Ideen, wie man gegen die destruktive Multi(millionen)-Kulti-Truppe ein Tor schießt. Irgendetwas fehlte da im Stuttgarter Spiel. Was war es bloß? Man hatte mit Cacau, Kuranyi, Szabics und einem mir völlig unbekannten Wesen doch genug Stürmer im Laufe des Spiels auf dem Platz. Ah, da fehlte wohl einer wie Amanatidis. Irgendwie lustig. Magaths beste Leistung für die Eintracht (obwohl ich damals sein Befürworter bis zuletzt war) ist ihm wohl erst in diesem Winter gelungen, als er uns für 100.000 Euro zwischenzeitlich aber dann letztlich auch final von den Abstiegsrängen griechen ließ.

 

Über Chelsea lässt sich nicht viel schreiben. Ich habe sie nur dank ihrer blauen Trikots wahrgenommen. Interessanter war da schon ihr Stadion, in dem die Fans den Spielern fast schon im Weg sitzen und dies alles ohne jeglichen Zaun, Netz oder Gitter. In deutschen Landen und bei der Eintracht dank der punktuell sehr traurigen „Fankultur“ leider nicht denkbar.

 

Abgehakt, schließlich folgte noch das Königsspiel. Real Madrid, deren größte Leistung in der Verpflichtung eines Cotrainers besteht, traf auf die geballte Arroganz aus München. Die Premiere-Berichterstattung widmete sich King Kahn und die Sequenzen zu seiner Fehlleistung aus dem Hinspiel erinnerten mich an den Hype beim Tod von Diana. Kahn, in eigener Wahrnehmung so populär wie es nur das uneheliche Kind von Michael Jackson und der Queen noch sein könnte, bestach durch emotionale Vulkahnausbrüche, die in Zeitlupe Zidane in den Schatten stellten. Das Spiel selbst, „hochsterilisiert“ (by Labbadia) wie man es sonst nur von ultrahocherhitzter H-Milch kennt, war dermaßen schlecht, dass man schon fast dankbar ist, dass die Eintracht sich auch zukünftig wohl recht selten mit derart schlechten Mannschaften messen muss.

 

Es folgten die Interviews. Die Bayern hätten ALLES gegeben und seien halt nun ausgeschieden, obwohl sie das Weiterkommen eigentlich verdient hätten. Aussage von Herrn Ballack. Eintrachtspieler sind diese Saison noch nie ausgepfiffen worden. Das hat damit zu tun, dass sie erstens mehr Engagement an den Tag legen als es die Bayern in einem solchen Spiel getan haben und weil sie nicht auch noch die Frechheit einer solchen Aussage besitzen. Wenn das alles war, was Bayern kämpferisch zu bieten hatte, dann geht meine Gratulation an Werder Ailton. Den ersten Zweikampf des Abends verlor der Premiere-Reporter beim sagenhaften Interview mit Herrn Klopp nach dem Mainzspiel (für alle, die zu früh eingeschaltet hatten). Würde sich Reimann so benehmen, hätte die Presse und ein Teil des Forums auf der Eintracht-Homepage wohl genug Futter für Stoff für die nächsten drei Wochen. Da Trainer nach einem Spiel meiner Meinung nach ruhig so sein können, geht sein Verhalten aber in Ordnung. Aber bei Klopp ist es erfrischend ehrlich, bei Reimann stil- und respektlos. So ist das im Leben. Den letzten Zweikampf verlor Schweinsteiger, der Beckham trotz bemitleidenswerter Bettelei nicht zum Trikottausch überreden konnte. Alternativ wünscht er sich nun ein Trikot von Lexa. Das sollte möglich sein, kleiner Basti.

 

Fazit: Man kann froh sein, in Frankfurt Fußball schauen zu können und die Wahrscheinlichkeit auch am Samstag wieder einen ehrlichen erlebnisreichen Bundesligafight sehen zu können, ist groß.

 

Für die Champions-League bleibt nur ein Kopfschütteln übrig und die persönliche Hoffnung von Jermi, der AC Milan möge doch den Titel verteidigen. Dort spielt mit Kaka übrigens ein talentierter Junge, der vielleicht eines Tages an die Leistungen von Chris anknüpfen kann Mal im Ernst, für mich ist Kaka der Spieler, der das Potential hat, einer der größten Spieler zu werden. Achtet mal auf ihn.

 

Fazit: Danke Eintracht, dass ihr nicht so wie Bayern München seid.

 

 

04.11.2003 - Innovatives Unruhe-Marketing

 

Also das Schlimmste, was ein Verein seinen Fans antun kann, ist ja Ruhe. Dieses langweilige, zum Glück nur noch selten vorkommende, Beibehalten von Ruhe ist neben Gelassenheit und der schlimmen Kombination Friede, Freude, Eierkuchen ja so etwas wie der Totengräber germanischer Fußballkultur. In der heutigen Zeit kann der Kunde Fußballfan etwas für sein Geld verlangen. Skandalös, wie Vereine wie Gladbach, Rostock, HSV und Köln ihren Fans zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison die Möglichkeit nehmen, in jeder Form menschlichem Niveaus eine mehr oder auch weniger gepflegte Trainerdiskussion auszuüben. Jeder Fachmann sollte doch heutzutage begriffen haben, dass 90 Minuten Fußball auf der grünen Wiese nicht ausreichen, eine so große Zahl von Kunden über die ganze Woche hinweg zu unterhalten und für lebhafte Auseinandersetzung der Kundschaft im Rahmen der Produktbindung zu gewährleisten. Die Stiftung Jermainatortest hat sich dem Thema angenommen und erstellte die Tabelle der Bundesligisten, die aufkommende Langeweile der Fans zwischen den Spielen durch gezielte Gegenmaßnahmen am besten bekämpfen.

 

1. Hertha BSC Berlin

Glückwunsch nach Berlin. Die Hertha hat mit der Erfindung des „vereinbarten Ultimatums“ gleich eine Aktion nachgeschoben, nachdem die Weigerung, Tore zu schießen, am Anfang der Saison bereits zu einem Unruhe-Spitzenplatz berechtigt hat. Jetzt muss nachgelegt werden.

 

2. Borussia Dortmund

Glückwunsch auch an die Westfalen. Wenig glaubhaft zwar, dass es so viele Verletzte gibt, aber durch Ablenkungsmanöver wie Gehaltsverzicht und Eiertritte sowie gezielt eingestreute Arbeitsverweigerungsniederlagen und Vorsprung geben für den Gegner, fällt es gar nicht auf, dass man da wohl zu sehr übertrieben hat. Verletztenunruhe, ein genialer Schachzug, regional übergreifende Mitleidsfunktion. Wahnsinnig strategisch und perspektivisch. Innovativ. Begeisternd. Zu oft Kreuzband gewählt, mehr medizinische Vielfalt wäre angebracht.

 

3. VfB Stuttgart

Welch eine Genialität. Unruhe durch Erfolgseuphorie. Der pure Wahnsinn, aber natürlich irre gefährlich. Magath kann selbst bei Misserfolg nun so lange in Ruhe arbeiten, dass man sich da in naher Zukunft einen Riesenskandal ausdenken muss, um nicht zu viel Ruhe nach der ganzen Erfolgseuphorie zu bekommen.

 

4. Eintracht Frankfurt

Meister aller Klassen der Unruhe. Langweilte meist mit der üblichen Trainerentlassungsstrategie. Nun Vorreiter im Erschließen neuer Wege. Den meistpolarisierenden Exspieler zurückholen ist der Weg. Genial, spaltet die Fanszene und sorgt für Diskussionstoff rund um die Uhr. Und man hat noch mehr drauf: Betonfußball. Ja, Wahnsinn, das entfacht eine Reimanndiskussion. Flankierend eine Führungsschwäche. Eintracht-Anhänger sind gegen vieles immun, daher bleibt perspektivisch wohl wieder mal nur ein Lizenzkrimi im Sommer.

 

5. HSV

Taktisch dumme Trainerentlassung. Fans können weder über die Trainerentlassung diskutieren noch über einen Nachfolger. Kurzfristige Pressekonferenz mit Treueschwur unmittelbar vor Jara-Entlassung entschädigt aber für vieles. Reichte nicht um so richtig in die Unruhespitze vorzudringen. Toppi führt daher nun in jedem Spiel 2:0 ohne zu siegen. OK, clevere Idee, aber nutzt sich ab.

 

6. Bayern München

Ja, schwer ist es für die Bayern. Man hat ja alles schon probiert. Wirken doch arg gekünstelt, die Unruhebemühungen durch Makaay-Transfer, Ellenbogen-Linke, Lyon-Spiele mit Elber. Völlig abgenutzt die Versuche Kahns durch „Eier-Sprüche“ Unruhe zu stiften. Nein, so wird das nix. Tipp: Einfach mal wieder aus der CL ausscheiden. Und den Kaiser wieder öfter vors Mikro ziehen.

 

7. Borussia Möchengladbach

Netter Versuch mit dem Fach-Ausstiegsklauselvertrag. Wenig Punkte machen, wenig originell, wird dieses Jahr von zu vielen praktiziert um Unruhe zu stiften. Aus der Not heraus verschießt man halt fast jeden Elfer. OK, aber wenig professionell.

 

8. Hansa Rostock

Veh geht von selbst, keine Punkte holen-Strategie wird auch von anderen verfolgt. Keine Nachfolgerdiskussion. Wo soll denn da bitte skandalöse Stimmung herkommen? So nicht, meine Herren, am besten mal Matthäus als Mittelfeldstratege verpflichten.

 

9. 1860 München

Mal ein paar Spiele nicht gewinnen? Lauth einfach mal nicht treffen lassen? Also bitte, ganz schwache Vorstellung. Da muss wohl mal das Derby zweistellig verloren werden.

 

10. Schalke 04

Haben sich eine bessere Platzierung durch den Sieg gegen die Bayern verspielt. Heynckes- und dann Glieder-Edi-Verpflichtung in Verbindung mit Erfolglosigkeit waren strategisch wertvolle Schachzüge von Assi. Aber mit einem Bayernsieg wurde unnötig Ruhe in die Mannschaft gebracht. Völlig in die Hose ging die Idee mit Ailton und Kristajic. Unnötige Punkte an Bremen abgegeben, statt selbst zu punkten.

 

11. 1.FC Kaiserlautern

Zeitweise Uefa-Cup-Platz. Im kleinen Rahmen machte man der Hertha die Ultimatums-Nummer vor, punktete dann aber unnötigerweise und hatte sich dann wieder viel zu lieb. Feldbett-Unruhe, ok, mal was anderes. Aber so hält die Unruhe keine Saison durch. Durch Punktabzug eh schon bevorteilt durch die DFL.

 

12. Hannover 96

Spät gestartet nachdem sie die Unruhe zunächst völlig verschlafen hatten. Dann aber ein Knaller: Simak-Psycho-Unruhe, endlich mal was völlig Neues. Gratulation. Im Anschluß gleich 'ne Negativserie gestartet. Dennoch schlecht platziert. Da ist man zwischen Kind und Rangnick besseres gewohnt. Brdarics Versuch mit der CD wirkt doch eher lächerlich. Wenn schon, dann sollte er das Toreschießen dabei weglassen.

 

13. Werder Bremen

Nein, das reicht nicht. Zu wenig eigene Ideen. Brauchten Schalker Unterstützung, das zählt nicht. Einfach nur ganz schlecht, wenn man sich Unruhe extern besorgt. Zu teuer und Ailton war immer für Unruhe gut. Ggf. Effe als Trainer verpflichten und Schaaf rauswerfen. Reinke-Panne von Piplica abgeguckt, nö, reicht nicht.

 

14. 1.FC Köln

Überraschend nur auf Platz 14. Hier wird das Riesenpotential zum Verhängnis. Unruhe nicht gut durchdacht ausgelöst. Rettig machte anfängerhafte Fehler, Funkel trat nicht nach und lobte die Zusammenarbeit im Nachhinein. Nachfolger stand fest und der Fußball war zwar erfolglos, aber oft auch gar nicht schlecht. Da wäre mehr drin gewesen. Fans mussten schon selbst für Unruhe sorgen. Katastrophales Urteil für die Vereinsführung.

 

Freiburg, Bochum, Wolfsburg, Leverkusen haben es nicht begriffen und sonnen sich in der Ruhe. Leverkusen rettet sich dabei auf Platz 15 durch den Unruhe-Übertragsbonus aus dem Vorjahr. Freiburg war noch nie bundesligareif, Wolfsburg hatte nur mal kurz durch Effenberg einen Spitzenplatz und Bochum versucht sich leicht auf den Spuren Stuttgarts mit Erfolg Unruhe zu erzeugen. Interessiert aber keinen, Stadion bleibt leer. Daher mächtig in die Hose gegangen.

 

Unruhige Grüße aus Frankfurt

Jermainator

 

 

08.09.2003 - Lieber DFB,

 

es war einer der Abende, an die man wohl sein ganzes Leben zurückdenken wird. Weit weg die Sorgen des Alltags, die Sinne wurden durchflutet von einem Reigen seeligmachenden Glücks, der dann gipfelte im Schlußpfiff des überragenden Unparteiischen. Ein unglaublicher Akt der Freude, man fühlte sich eng verbunden mit den Akteuren, die sich 90 Minuten lang bis zur völligen Selbstaufgabe und kurz vor dem finalen körperlichen Zusammenbruch stehend, verausgabt hatten. Eine selten gesehene Leidenschaft, gepaart mit fast schon brasilianisch anmutender graziler technischer Perfektion zermürbte den bis dato souveränen Tabellenführer und eröffnete unserem Land die wahnsinnige Chance der sensationellen Teilhabe an der Europameisterschaft im nächsten Jahr, wo doch nur die Besten der europäischen Teams eine Starterlaubnis erhalten werden. Und wir, das Land der Genießer dieser wahrhaft emotional zutiefst bewegenden Sportart Fußball, werden wieder einmal die Möglichkeit haben, das zu erreichen, wo man vorher angesichts der Konkurrenz der nordischen Größen Island, Schottland und Faröer nicht zu glauben wagen durfte.

 

Unser Land kann stolz sein auf die Malocher, die jeden Tag für eine geringe finanzielle Aufwandsentschädigung die harte Aufgabe auf sich nehmen, unser Land in der Welt zu repräsentieren, während wir mit schlechtem Gewissen am Abend von unserer wenig anstrengenden Arbeit kommen, unsere Geldspeicher abschließen und auf dem Sofa liegend arrogant auf diese armen Menschen schauen, die unsere Gesellschaft so schamlos für ihre Samstagabend-Unterhaltung ausnutzt.

 

Was ist das für eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die das Glück haben, ihr leicht verdientes Geld für Reisen nach Island ausgeben zu dürfen? Um Rudi und den kämpfend und dennoch technisch und taktisch brillierenden Ball-Rastellis bei ihrer mühsamen Arbeit zuschauen zu dürfen. Statt dankbar zu sein für die unendliche Güte des DFB, Zuschauer zuzulassen bei Fußballspielen, motzen die Subjekte einer Generation, die anscheinend nicht begriffen hat, dass es Länder gibt, deren Einwohner nicht in den Genuß solcher Leistungen kommen können, herum am Geschehen und mäkeln an den wenigen Prozenten, die zu einem genialen Fußballspiel nach Ansicht einiger abgehobener Reporter noch fehlten. Die Bürger San Marinos z.B. sind nicht mit dem Glück gesegnet, welches der Fußballgott so reichlich über unserem Land ausgeschüttet hat.

 

Ich aber habe begriffen, lieber DFB!

 

Deshalb danke lieber DFB, dass wir diesen phantastischen Spielen zuschauen dürfen, dass Du sie freigegeben hast für die Öffentlichtkeit. Dass wir die Möglichkeit haben, Dir durch unsere GEZ-Spendenbeiträge für die ARD-Übertragung ein wenig finanziell entgegenkommen zu dürfen für die schönen Stunden, die Du uns beschert hast. Du gibst unserem Leben einen Sinn. Und entschuldige bitte, wenn einige unwissende Menschen Deinen Rudi beleidigt haben sollten. Das war nicht in unserem Sinne. Wir sind dankbar und verstehen nicht, warum es immer wieder Quertreiber gibt, die das Glück zu schmälern versuchen.

 

Meine Bewerbung fürs nächste Länderspiel schicke ich Dir demnächst. Ich bin ganz brav, sitze nur und supporte nicht. Verhalte mich ruhig, esse Bratwurst für 4 Euro und trinke Wasser für 3 Euro, schicke einen Blankoscheck. Bediene Dich nur, mit Geld ist das Erlebnis Nationalmannschaft eh nicht zu bezahlen. Habe Dir auch noch ne Einzugsermächtigung beigefügt, schick mir doch einfach ein paar Reste an Merchandising-Fanartikeln und kauf dem Rudi einen Strauß Blumen, auch für die Gemahlin.

 

Gerne würde ich Dir mehr schreiben, aber ich muß zum Makler, mein Haus verkaufen. Denn ich würde mir auch gerne die Spiele bei der WM 2006 ansehen dürfen.

 

Dein Fan Jermainator

 

 

10.07.2003 - Euphorie am Main

 

Nun also ist es wieder soweit. Das Adrenalin steigt. Der Pulsschlag erhöht sich und das Sommerloch wird wieder zugeschüttet. Der Regisseur der Fußballwelt hat sich nach einer langweiligen Bundesligasaison so richtig Mühe gegeben. Er hat drei, nun ja, sagen wir, nicht ganz so schillernde Vertreter der Zunft nach unten beordert und mit den „Breisgau-Brasilianern“, den legendären ehemaligen Bayern-Jägern und der Diva vom Main drei spektakuläre und interessante Vereine in der höchsten Spielklasse aufgenommen.

 

Vielleicht bin ich als Eintracht-Fan befangen, aber lange Zeit hat es nicht mehr so gut geklungen, die Liste der Erstligisten aufzuzählen. Vor uns liegt eine Bundesligasaison, die Erinnerungen weckt an die Zeit, in der man sich auf den Weihnachtsmann gefreut hat und schon sehnsüchtig darauf wartete, mit den Geschenken spielen zu können. Man weiß es als Frankfurter mittlerweile zu schätzen, zu den 18 besten Teams des Landes zu gehören und sich mit den Besten zu messen. Alles ist anders in diesem Jahr. Nur wer mal ein Tal durchschritten hat, kann den Ausblick von den Hügeln voller Emotion genießen. Und der Ausblick ist wahrhaft phantastisch: Die Bundesliga spielt mittlerweile in den schönsten Fußballtempeln der Welt. Und einer davon, das Wohnzimmer des Eintrachtfans, wird in Frankfurt entstehen. Das neue, wunderschöne Waldstadion wird von Tag zu Tag schöner. Man sieht es heranwachsen und es ist kaum auszudenken, welche Glücksgefühle hier entstehen werden, wenn sich die Eintracht wieder in der Liga etabliert. Der Fußball lebt und die Eintracht lebt. Euphorie liegt in der Luft.

 

Na klar, in Frankfurt ist immer etwas los. Ob es die Streitereien in der Führungsebene sind oder die Nachrufe der Fußball-Experten, die den Frankfurtern wieder einmal nichts zutrauen. Ob es Leute sind, die den Kader für zu schwach und die Einkäufe für zu unspektakulär halten. In Frankfurt sind die Häuser höher als anderswo und daher weht zwischen ihnen auch ein kräftiger Wind. Der echte Frankfurter hat sich daran gewöhnt und ist sturmerprobt. Und manchmal, aber auch nur manchmal, ist man ja als Fan auch froh darüber, daß es in diesem Verein nie langweilig wird. Die Hoffnung, daß nun alles besser wird, hat in der Main-Metropole Tradition. Süffisantes Lächeln erntet man, wenn man behauptet: „Dieses Mal ist alles anders!“. Möge man diesen Bericht an dem Tage verbrennen, an dem Reimann nach einer kleinen Negativserie in der Vorrunde gefeuert wird und die Eintracht auf einem Abstiegsplatz liegt. Braucht man aber nicht, denn: Dieses Mal ist alles anders.

 

Daran glaube ich ganz fest. Dank der Turbulenzen in Vorstand und Aufsichtsrat kann man sich in der Führung nicht mehr viel erlauben. Daher wird man vorsichtig agieren, statt vorschnell Fehler zu begehen. Willi Reimann ist ein Trainer, der ehrliche Arbeit leistet und diese von seinen Spielern auch verlangt. Träumereien und Größenwahn haben bei ihm keine Chance. Er ist der Meister im Verwirklichen realistischer Träume. Er hat im letzten Jahr wahnsinnig gut eingekauft. Wer hätte einen Tsoumou-Madza aus der Oberliga geholt? Wer wollte Jens Keller? Wer vertraute noch Beierle? Willi heißt die Antwort und er lag goldrichtig und hat aus dem Nichts ein Team geformt, welches vielleicht nicht durch ein Feuerwerk an Spielkunst, aber durch enormes Engagement und einen grandiosen Teamgeist überzeugte. Und ich glaube, er hat auch in diesem Sommer ein goldenes Händchen bewiesen. Dragusha, Frommer, Lexa, Cipi, Cha, Pröll, Puljiz und Kreuz heißen die neuen Männer. Wer meint, dies sei nicht das richtige Personal für den Klassenerhalt, der möge sich die Namen in 34 Spieltagen nochmal durchlesen und wird dann eines Besseren belehrt.

 

Es wird darauf ankommen nicht in Panik zu verfallen, wenn sich die Mannschaft nur mühsam ihren Weg ins Mittelfeld der Liga bahnt. 34 Spieltage dauert eine Saison. Dann wird abgerechnet. Die Eintracht wird sich weiterentwickeln. Laßt Willi in Ruhe arbeiten.

 

Als ob es nicht schon aufregend genug ist, der Saison entgegenzusehen: Nein, im Pokal mußte es gleich das Los einer in der Nähe befindlichen Siedlung sein, die nun nach knappem Klassenerhalt in der dritten Liga die Ehre zuteil wird, gegen die Eintracht spielen zu dürfen. Neben der Vorfreude auf die Bundesligasaison gibt’s jetzt auch noch eine wahnsinnige Pokaleuphorie. Freuen wir uns auf Fußballfeste und auf eine schöne Feier am Frankfurter Römer im Mai nächsten Jahres, wenn wir mit Äppelwoi auf den Klassenerhalt anstoßen.

 

Auch wenn es nicht repräsentativ für die Frankfurter Fans sein wird: Ich persönlich wünsche unserem letztjährigen Konkurrenten aus Mainz viel Glück beim Kampf um den Aufstieg und würde mich sehr über die Derbys in der Bundesliga freuen.

 

Und auch der Siedlung von nebenan wünsche ich wieder Derbys gegen den FSV und RW Frankfurt. Auf daß alle Wünsche in Erfüllung gehen...

 

 

23.04.2003 - Heiße Phase im Aufstiegskampf in Liga 2 - Derbystimmung

 

Es geht nun also in die heiße Phase der Saison und es verspricht ein echtes Traumfinale zu werden. Ausgerechnet die beiden Lokalrivalen Eintracht Frankfurt und FSV Mainz 05 bestreiten nicht nur das spannende Finish um den letzten Aufstiegsrang sondern auch noch ein echtes Aufstiegsendspiel im direkten Derby am 5. Mai. Die Entscheidung naht...

 

Und auch die Frage, wie sich das Verhältnis der beiden Anhängerschaften der Vereine in Zukunft gestalten wird, könnte in den nächsten Wochen entscheidend beeinflußt werden. In den Internetforen und auch außerhalb hat sich leider eine von Teilen der Fans etwas überzogene Antiphatie gegen den Konkurrenten breitgemacht. Zu hoffen ist, daß sich daraus kein Hass, sondern eine gesunde, faire Rivalität entwickelt, denn es gibt genug Gründe, die beiden Teams eine Daseinsberechtigung geben und vielleicht dazu führen, daß die Rhein-Main-Region statt mit keinem bald mal mit zwei Erstligisten ausgestattet ist.

 

Zum Fußball gehören Emotionen. Fußball ist Leidenschaft. Rivalität gehört dazu, es belebt das Geschäft. Und es ist das Salz in der Suppe. Aber alles sollte in den Grenzen des fairen Umgangs miteinander bleiben.

 

Die Anhänger beider Teams können stolz auf ihre Vereine sein:

 

Die Eintracht hat es anscheinend endlich geschafft, mit einem seriösen sachlichen Trainer, trotz einer durch den Lizenzkrimi zu kurzen Vorbereitungszeit auf die Saison, einen sportlich erfolgreichen Kurs einzuschlagen. Das Team zeigte im Gegensatz zu mancher Eintrachtmannschaft der letzten Jahre endlich wieder Einsatz und Einstellung. Die Eintracht besticht nicht durch traumhaften Offensivfußball, sondern durch taktisch diszipliniertes geordnetes Spiel, welches Trainer Reimann über die gesamte Saison erfolgreich durchzieht. Man mag sich manchmal eine offensivere Eintracht wünschen, aber hätte diese dann auch so viele Punkte auf dem Konto. Unbestritten ist auch das glückliche Händchen Reimanns bei den Neuverpflichtungen und auch die Zahl der jungen Spieler mit Perspektive und vor allem das wachsende Traumstadion sollten den Eintrachtfan glücklich stimmen.

 

Die Mainzer haben das Kunststück fertiggebracht, trotz des bitteren Nichtaufstiegs nicht zusammenzubrechen (wie z.B. Leverkusen), sondern sich erneut oben festzubeißen. Vielleicht mit etwas weniger attraktivem Fußball als im Vorjahr, aber dennoch erfolgreich und oft schön anzusehen. Die Fankultur scheint sich zu entwickeln, das Stadion hat sich deutlich verbessert. Das Team hat sich gut entwickelt, ist eingespielt und verfügt auch über interessante junge entwicklungsfähige Spieler. Jürgen Klopp ist nicht in die üblichen Trainerschubladen zu stecken, sondern bereichert durch sein erfrischendes Auftreten sicherlich die Liga. Respekt vor seiner Leistung, schließlich war er bei Amtsantritt ein überraschter Anfänger.

 

Natürlich hat so mancher Spruch auf der einen und der anderen Seite dazu geführt, daß die Symphatien nicht grenzenlos sind, aber es ist Platz genug in Liga 1 für beide Vereine. Also wünsche zumindest ich mir, daß man vielleicht spätestens in der Saison 2004/05 wieder aufeinandertrifft – in Liga 1. Und mit etwas Glück klappts ja vielleicht schon früher.

 

Und hoffen wir, daß die Zahl der Fans, die sich beleidigen und ein gewisses Niveau unterschreiten, so gering wie möglich bleibt und sich der Rest der Anhänger über einen fairen sportlichen Wettstreit freut.

 

Aktuelle Anmerkung:

 

Was zum Zeitpunkt der Kolumne niemand ahnen konnte: Es stand an jenem 25.05.2003 der spektakulärste Spieltag der 2. Bundesliga bevor. Eintracht Frankfurt und Mainz 05 gingen punktgleich ins Rennen um den letzten zur Verfügung stehenden Aufstiegsplatz. Die Eintracht hatte die um ein Tor bessere Tordifferenz, aber weniger Tore geschossen. Somit wäre Mainz bei einem um ein Tor höheren Sieg aufgestiegen.

 

Die Eintracht trat zuhause gegen den abstiegsbedrohten SSV Reutlingen an, die Mainzer spielten auswärts bei der ebenfalls abstiegsbedrohten Braunschweiger Eintracht. Der Nachmittag entwickelte sich zu einem Krimi der Extraklasse. Nach fünf Minuten traf Jones für Frankfurt. Doch ausgerechnet der bereits für die Folgesaison unter Vertrag genommene Nico Frommer traf eine Minute später gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber. In Braunschweig fiel dann durch Benjamin Auer die Führung der Mainzer in der 9. Minute, die damit auf den dritten Platz rückten. Auer traf gleich nochmal, bevor in Frankfurt nach 23 Minuten die Eintracht das 2:1 durch Schur markierte. Mainz nun also ein durch die mehr geschossenen Tore vor Frankfurt. Aber nur bis zur 38. Minute, als Skela für die Eintracht die Führung ausbaute.

 

Zur Halbzeit hieß der Aufsteiger also Eintracht Frankfurt. Mit einem Tor Vorsprung ging es in die letzte Dreiviertelstunde der Saison. Und zum dritten Mal traf Auer für Mainz und ließ die Eintracht auf Platz vier zurückfallen. Im Waldstadion war den Zuschauern klar: Die Eintracht braucht noch einen Treffer. Doch Reutlingen schlug zu. In den Minuten 53 und 56 trafen Gambo und Würll zum 3:3 Ausgleich. Mainz war zwei Punkte und nach Auers viertem Tor zum 4:0 drei Tore vor der Eintracht.

 

Zehn Minuten vor Schluss leuchtete im Waldstadion der Ehrentreffer der Braunschweiger durch Thiam auf. Die Eintracht brauchte noch drei Tore. Sieben Minuten waren noch zu spielen. Die ersten Zuschauer verließen enttäuscht das Stadion. Was sie ein Leben lang bereuen werden. Bakary Diakite, zuvor eingewechselt, versenkte die Kugel zur 4:3 Führung. Die 90. Spielminute brach an. Die enttäuschte Fankurve in Frankfurt sah das 5:3 erneut durch Bakary Diakite. In Braunschweig wurde abgepfiffen. Die Mainzer stellten sich zum Jubel auf und blickten gebannt auf die Bildschirme des TV-Senders Premiere. Das Spiel in Frankfurt ging in die letzte Minute der Nachspielzeit. Alexander Schur, die Identifikationsfigur der Eintracht, köpfte den Ball ein allerletztes Mal aufs Reutlinger Tor. Das Ende ist bekannt. Der Ball landete im Netz. Eintracht Frankfurt stieg auf, Mainz ging in Tränen auf. Diesen Nachmittag erlebte ich mitten im Frankfurter Waldstadion. Es dürfte der emotionalste Fußballnachmittag meines Lebens gewesen sein.

 

 

18.06.2000 - Auf Wiedersehen...?


Tja, nun bin ich auf direktem Wege (nun ja, es war eigentlich eher indirekt, da ein kurzer Besuch auf meiner Toilette aus geschäftlichen Gründen notwendig geworden war...) vom Wohnzimmer in mein Computerzimmer geeilt, um direkt im Anschluss an die historische EM-Erniedrigung einer Niederlage gegen England ein paar Zeilen zu schreiben. Ein paar Beileidsbekundungen am Grab der Titelverteidigung sollen es schon sein, nachdem der Mythos (Gary Lineker: "....und am Ende gewinnen immer die Deutschen!") soeben verstorben ist.

 

Und doch sollten wir wie immer in den Zeiten einer solchen Schmach auch die Chance sehen, die sich uns durch die Niederlage bietet. Eine ganze Generation wurde ausgeschlossen dieses Erlebnis eines verloren gegangenen Fußballspiels gegen Engländer mal zu erleben. Und seien wir doch ehrlich, das "Jahrhundert-Tor" von Wembley war ja gar keins. Also zum ersten Mal haben wir so richtig echt gegen sie verloren. Und wir alle waren dabei. Vor Rührung treibt es mir nun doch ein paar Tränen in die Augen. Mauerfall, Wiedervereinigung, 0-9 der Österreicher gegen Spanien und nun dieses historische Ereignis noch dazu. Und, oh mein Gott, welch Glück hat man mir beschert, ich war jedes Mal dabei.

 

Das Tolle an der Geschichte ist ja, dass man oft durch ein einziges Ereignis eine Kette von weiteren ähnlichen Ereignissen auslöst. So war es Ende der Achtziger mit der Öffnung der osteuropäischen Länder, so war es mit dem Durchmarsch von Regionalligisten bis in die Bundesliga und so könnte es nun auch mit Niederlagen gegen die Briten werden. Schließlich dürfen wir im Herbst in der WM-Qualifikation schon wieder gegen unsere Inselfreunde antreten, dessen Fussballtouristen so gern gesehene Gäste sind. Bis dahin verbleibt die Hoffnung, dass deutsche Urlauber auf Mallorca wenigstens den Handtuchwettstreit gegen die Engländer gewinnen.

 

Auch wenn ich sonst nicht auf sado-masochistische Spiele stehe, so habe ich mich dennoch über den Anruf einer Freundin gefreut, die gerade in London lebt und mich in der 92. Spielminute direkt aus einem Pub angerufen hat. Die Begeisterung der Londoner beim Abpfiff war grandios und es macht schon ein wenig traurig, dass wir das hier nicht mehr erleben dürfen. Obwohl ... - weitsichtig wie ich nun mal bin, habe ich ab nächster Woche bis zum 3. Juli Urlaub gebucht. Und zwar in Italien. Und unsere südeuropäischen Freunde (die uns immerhin Klinsmann und Möller mal ein paar Jahre abgenommen haben ...) hätten es ja wirklich mal wieder verdient, einen Titel zu gewinnen. Freut euch darauf, nun entspannt Mannschaften zuschauen zu dürfen, die Fußball spielen können.

 

Aber Moment mal, ein läppisches 2-0 gegen diesen Stolperer Figo und diesen Schönling Baia im Tor und all die zweitklassigen Portugiesen, da reicht doch schon, wenn die genialen Rumänen, denen wir ein Unentschieden abgetrotzt haben, die vollkommen unverdient zum Sieg gekommenen Engländer mit 1-0 besiegen. Und im Viertelfinale werden wir ja wohl mit diesen Italienern keine Probleme haben. Ha, lachhaft, keine Konkurrenz. Unser kreatives Mittelfeld wird mit seinen Ideen den Abwehr-Beton dieser Spaghettis zu knacken wissen.


Und im Halbfinale wartet dann Frankreich. Meine Güte, die Zeit dieser Tricole-Pariser ist ja nun echt schon vorbei. Die Mittelfeldstrategen von denen müssen schon in der Pfälzer Provinz spielen und was soll man von einer Mannschaft halten, die mit 3-0 ins Turnier startet? Oje - alle Titelträger fangen traditionell nicht so stark an. Aber nein, die Franzosen wollen ja nicht hören. Kein Problem also ins Finale zu kommen. Und da wartet Holland.


OK - Big Brother haben sie uns vorgemacht. Aber sonst? Die mussten sich damals schon Kolonien sichern, um Jahrhunderte später im Fußball auch mal Farbe ins Spiel zu bringen. Und haben so schlecht gespielt gegen die Tschechen, dass ihr Mittelfeldstar schon getönte Brillen tragen musste, da er es sonst nicht ausgehalten hat.

 

Also wer und was soll uns bitte noch aufhalten auf unserem Weg zur Titelverteidigung. Wir sind der amtierende Europameister, wir sind die Besten. Und mit diesem Wissen gehe ich jetzt schlafen. Gute Nacht!

 

Gerrit

 

 

11.06.2000 - Und täglich grüßt das Murmeltier...!


Man mag es sich kaum vorstellen und doch wäre es eine Überlegung wert. Die Frankfurter Story sollte für das große Kino der Welt verfilmt werden. Der neue Partner Octagon könnte so gleich einen gewissen Gewinn erwarten, denn Spannung, Intrigen, Action, Verschwörungen, menschliche Schicksalsschläge und unerwartete Wendungen haben in der Vergangenheit schon so machen Kassenerfolg beschert.

 

Auch wenn sich scheinbar die Geschichte immer wiederholt. Denn schließlich liefert das Drehbuch zur Eintracht-Verfilmung in den beiden vergangenen Kapiteln nicht viel Neues. Dem Geldsegen in der Sommerpause folgte kurze Euphorie, bevor sich die Mannschaft bereits bei Unterschreiten der 20°C-Marke in den Winterschlaf verabschiedete. Die Weckmethoden des sportlichen Leiters halfen nicht und es mußte ein neuer Mann her, um die schlummernden Spieler mitten im kalten Winter zu wecken. Beide Male gelang es dem Retter und am Ende stand ein unglaublicher Jubel über ein echtes Wunder. Garniert wurde dieser spannende und spektakuläre Akt noch durch entsprechende Aktivitäten rechts und links neben der großen Bühne des grünen Rasens. Vielleicht etwas zu übertrieben für einen Film. Denn soviel Action, Intrigen und gar unglaubliche Wendungen vermag nur ein James-Bond-Film noch ertragen.

 

Wie soll man den Film bloss drehen, wenn sich die Kapitel des Drehbuchs dauernd wiederholen? Vielleicht ein Remake von "Und täglich grüßt das Murmeltier..."? Verkauft als 2000-Hit "Und jährlich grüßt der Abstiegsadler..." mit Quälix Magath als grantiger James Belushi und Jan-Aage Fjörtoft im Röckchen als bezaubernde Andie McDowell.

 

Doch für eine solch aufwendige Produktion könnte trotz Octagon (hört sich an wie ein Schmerzmittel gegen Abstiegsangst) das Budget gesprengt werden. Die Sparmaßnahme wäre eine Tournee des "Frankfurter Kasperletheaters" durch Fürth, Oberhausen, Chemnitz und Mainz. Mit dem bösen Rainer Leben als Teufelchen, Quälix als Polizisten, dem unwiderstehlichen Fjörtoft zusammen mit Zampach in der Doppelrolle des Kasperle und vielen Kindern drumherum, die von den Funktionären der Eintracht sicher problemlos dargestellt werden könnten.

Ersteres Projekt wäre die Chance auf Ruhm und Reichtum, letzteres wäre eine Möglichkeit die ungeahnten Talente der Eintracht auch in der Provinz mal zu zelebrieren.

 

Vorher muß zunächst ein Regisseur gefunden werden: Steven Rüssmannberg wird als Name gehandelt. Ein Garant für Action und Spannung. Ob Außerirdische oder Vergangenheitsbewältigung oder sogar den Neubau eines neuen Theaters - ein Alleskönner, der Schwung in jede Inszenierung bringt.

 

"Show must go on ..." - ups, Freddy Mercury hats trotzdem erwischt. Wollen wir hoffen, dass Quälix durchhält. Obwohl - Geld genug für eine weitere Abfindung wäre ja da....! Und das Projekt "Und jährlich grüßt der Abstiegsadler ..." baut ja auf Wiederholung von Ereignissen ... Also Zeit sich Gedanken über einen Nachfolger zu machen. Wie wäre es mit Jürgen von Big Brother ... - ein echter Winnertyp, der auch schon den passenden Spruch fürs erste Training mit den Eintracht-Jungs hat: "Ejjjjjjjjjjjjjjjjjjjj-da krisch Plack". Oder doch besser Sir Erich, der nach dem EM-Viertelfinalaus durch das 0-9 gegen die Türkei zum Volkshelden der Türkei und somit auch einem Teil von Frankfurt wurde? Oder Peter Neururer, der mit Offenbach das im ersten Anlauf geschafft hat, was Ehrmanntraut, Lippert, Fanz, Berger und Magath zusammen nie geschafft haben?

 

Aber egal. Überlassen wir diese Gedankenspiele doch unserem Präsidenten ... - ups, den ham mer ja gar net in Frankfurt ...

 

Hoffnungsvoller Gruß  

 

Gerrit