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Buch "Adler im Herzen"

"Der Sitzplatzbetrug" von Gerrit Fischer

Veröffentlichung eines Beitrags im Buch "Adler im Herzen"

 

Titel: "Adler im Herzen"

 

Autor: Jörg Heinisch

 

ISBN: 978-3-8978-4355-4

 

Verlag: Agon, 272 Seiten, 14,90 Euro

 

Beitrag von Gerrit Fischer: Kapitel "Der Sitzplatzbetrug", 2006

 

-> Hier bestellbar bei Amazon.


Die, die den Adler im Herzen tragen, die Fans von Eintracht Frankfurt selbst, können die schönsten Geschichten rund um die Eintracht erzählen. Die Verbundenheit zu ihrem Verein führt zu einer interessanteren, häufig emotionaleren Berichterstattung, als sie von den hauptberuflichen Journalisten möglich ist. Jörg Heinisch hat die schönsten 45 Texte aus fast 30 Jahren ausgewählt. Neben der Präsentation besonderer Erlebnisberichte werden u.a. herausragende Fanhistorien erzählt, Einblicke hinter die Kulissen gewährt, Konfrontationen mit der Realität durchgeführt (Offenbach, Rostock 1992), nostalgische Momente in Erinnerung gebracht, außergewöhnliche Begegnungen zur Sprache gebracht, Fantasien gepflegt und Emotionen großer Momente nacherlebt. Auch an Cartoons und Bildmaterial wurde dabei nicht gespart. Das Beste vom Besten in einem Buch!

 

Als langjähriger aktiver User und Moderator im offiziellen Forum von Eintracht Frankfurt veröffentlichte Gerrit Fischer im Forum auch eine seiner Fangeschichten, die vom Autor Jörg Heinisch ausgewählt wurde, um in seinem Buch verewigt zu werden. Beschrieben wird in "Der Sitzplatzbetrug" eine amüsante Episode, die auf wahren Begebenheiten beruht :-)

 

Der Sitzplatzbetrug

Es war an einem der regnerisch grauen Herbsttage des Jahres 1999, als die Eintracht am 7. Spieltag an einem Freitagabend auf den VfB Stuttgart traf. Es war ein Spiel zweier Vereine, die sich in den ersten sechs Spieltagen jeweils sieben Punkte erspielt hatten und damit im Mittelfeld der Liga platziert waren. Der Sieger durfte sich nach oben orientieren und der Verlierer war mittendrin im Abstiegskampf.

Keine besonders aufregende Ausgangslage. Dennoch, das war klar, wollte ich mit zwei Freunden das Spiel besuchen und so verabredete ich mich mit Torsten und Danny. Ich sollte schließlich auch die Karten besorgen. Torsten und ich tendierten zu einem Sitzplatz auf der Gegentribüne, Danny war das zu teuer und er überredete uns dazu, einen Stehplatz zu nehmen. Ich guckte mir die Wettervorhersage an und mir war klar, es ist mit Regen zu rechnen. Ein kurzes Telefonat mit Torsten und wir entschlossen uns, Danny das Geld für eine Stehplatzkarte bezahlen zu lassen, aber ihm gemeinsam den Aufschlag zu einem guten Sitzplatz im Trockenen auf der Gegentribüne zu spendieren.

Davon erzählten wir ihm aber zunächst nichts. Wir wollten ihm schon noch ein wenig ein schlechtes Gewissen machen, da es sich pünktlich zur Abfahrt zuzog und es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu regnen anfangen würde. "Guck dir mal das Wetter an, Danny. Wegen dir stellen wir uns jetzt in den Regen, verdammt" gaben wir ihm auf der Fahrt ins Stadion zu verstehen. "Nee, das regnet nicht, das klappt schon" entgegnete er voller Hoffnung. Am Waldstadion angekommen parkten wir am Waldparkplatz, noch regnete es nicht, aber die Wolken wurden dunkler und dunkler. Vor der ersten Kontrolle gab ich ihm sein Ticket in die Hand und wir freuten uns schon auf seine Reaktion, doch in der Hektik hatte er noch die Zigaretten zu verstauen und warf keinen Blick aufs Ticket, zeigte es vor und packte es weg. Wir gingen zum Stadion und drehten eine Runde, es begann zu regnen und wir taten ein wenig verärgert. "So eine Scheiße, jetzt bräuchten wir ein Ticket auf der Gegentribüne". Dannys schlechtes Gewissen war aktiviert. Wir gingen hinter der Gegentribüne auf unserem vermeintlichen Weg zur Stehkurve vorbei und guckten traurig auf die Menschen, die die Treppen hinauf unter das schützende Dach bestiegen.

"Jermi, die Ordner machen mir hier keinen cleveren Eindruck. Vielleicht versuchen wirs einfach?" fragte mich Torsten und ich entgegnete: "Mh, ja, das probieren wir, lass uns mal gucken, welcher Ordner den dämlichsten Eindruck macht." Danny fand die Idee überhaupt nicht gut: "Nee, Jungs, nee, das klappt nicht. Hört auf mit dem Scheiß. Die sind doch nicht blöd, wenn das gehen würde, dann würde das doch jeder machen". Wir fanden das überhaupt nicht, wohlwissend um die Existenz dreier Tickets genau für den Eingang vor dem wir jetzt standen. "Danny, guck mal wie oberflächlich der auf die Karte guckt". Torsten schließlich machte Nägel mit Köpfen: "Danny, ich hab keinen Bock jetzt im Regen zu stehen, ich geh da jetzt einfach durch" und er nahm seine Karte ging zum Ordner und wurde anstandslos (na logisch!) durchgelassen. "Siehst du, Danny, du mußt nur cool bleiben und einfach selbstsicher durchgehen". Mit diesen Worten ließ ich ihn stehen und ging durch die Kontrolle. Wir lachten uns drinnen auf der Treppe halb tot und Danny ging zitternd zum Ordner. Doch so einfach kam er an ihm nicht vorbei. Der Ordner hielt ihn an. Danny starb fast an Aufregung und wahrscheinlich war er schon kurz davor, sich für seine Frechheit zu entschuldigen. Aber der Ordner wollte nur seinen Rucksack kontrollieren und ließ ihn nach einigen Sekunden passieren. Wir lachten und amüsierten uns, doch Danny war die Aufregung anzumerken: "Seid ruhig, hört doch auf zu lachen, die kriegen das noch mit. Ach du Scheiße, war das knapp. Ich dachte er hätte es bemerkt. Das ist der Hammer, das das funktioniert. Schnell, laßt uns hochgehen. Und packt um Himmels willen die Ticktes weg". Gesagt getan.

Oben angekommen war Danny der Auffassung man müsse sich nun so weit wie möglich nach außen setzen, da hier in der Mitte der Gegentribüne auf den teuersten Plätzen ja jeder Platz verkauft worden wäre und man außen am wenigsten auffalle. Torsten und ich sahen das logischerweise anders. "Nö, nun haben wir es hierher geschafft, jetzt bleiben wir auf den teuren Plätzen". Danny war nervös, zündete sich eine Zigarette nach der anderen an und als wir da so standen mitten im Weg, kam auch schon ein Ordner auf uns zu. Er forderte uns auf, unsere Plätze einzunehmen und das taten wir dann auch. Ich erspähte einige freie Plätze, selbstverständlich unsere, denn ich hatte mir vorher Reihe und Platznummer eingeprägt. "Da ist Platz, laßt uns dahin setzen." Danny war dagegen: "Mensch, das ist doch nur eine Frage der Zeit, bis jemand kommt, lass uns nicht mittenrein setzen, lieber außen." Aber Torsten meinte nur, das fiele ja dann erst recht auf und so setzten wir uns auf unsere Plätze. Danny bekam in den Minuten vor dem Spiel kaum etwas mit und schaute abwechselnd zum Ordner und zu den Zuschauern, die unsere Reihe betraten. Wir halfen ein bißchen nach und bemerkten, der Ordner gucke dauernd zu uns und wir fragten uns, ob er wohl etwas ahnte. Torsten wußte außerdem zu berichten, dass er gehört hätte, die Eintracht würde solche Fälle als Betrug werten. Die Anzeige wäre unangenehm und es drohe auch ein Stadionverbot. Die Leute um uns herum, erstaunt über unsere Unterhaltungen und im vermeintlichen Wissen, sie hätten es hier mit Stehplatzkunden zu tun, die sich die besten Plätze ergaunert hatten, schauten uns verärgert an, was die Situation umso köstlicher machte. Und als ob eine höhere Macht unserem Spielchen die Krone aufsetzen wollte, saßen in der Reihe unter uns einige Zuschauer im falschen Block. Als die richtigen Besitzer der Plätze kamen, gab es Diskussionen und Ärger, wer dann da nun falsch sitze. Es fielen Worte wie "Ordner holen" und Danny wollte aufstehen, da die Aufregung ja ganz offensichtlich dadurch entstand, dass sich da jemand in der Reihe vertan hatte und eigentlich auf unseren Plätzen sitzen sollte. Doch wir zogen Danny wieder auf seinen Platz und meinten, er solle jetzt mal cool bleiben, alles liefe doch ganz prima, wir dürften jetzt bloß nicht auffallen. 

Das Spiel wurde angepfiffen, Danny sah kaum etwas davon, er hatte im mittlerweile voll besetzten Block nur einen Blick für die Nachzügler, die im Gewirr nach ihren Plätzen suchten und gemeinsam mit dem Ordner auch hin und wieder in unsere Reihe schielten. So ganz langsam wurde er ruhiger und entspannter und ihn überkam ein riesiger Stolz, denn er hatte ja schier Unglaubliches gewagt. Das Spiel übrigens war eines der schwächsten, welches ich im Waldstadion sah und wir verloren mit 1-0 durch ein Tor von Balakov. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz war Danny nun der Größte. "Das war ja so geil, wir wir das gemacht haben. Die Ordner sind ja sowas von blöd. Man muss nur cool genug bleiben und dann einfach die Karte zeigen und durchgehen. Man, ist das easy. Nächstes Mal probieren wir das auf der Haupttribüne, Jungs". Als er im Auto dann auf der Rückbank sitzend auch Anrufe tätigte und mit dieser geilen Aktion und unserer unglaublichen Coolheit angab, gemischt mit seiner wiederholten Feststellung, nächstes Mal sei die Haupttribüne dran, da fragte ich ihn, ob er sich eigentlich auch nur einmal sein Ticket an diesem Abend angeschaut habe. "Nee, warum denn?" So ganz langsam ging ihm ein Licht auf und als er aufs Ticket sah und da klar und deutlich einen "Sitzplatz, Gegentribüne überdacht" sah, trieb es uns allen die Tränen vor Lachen in die Augen.

Bis zum Saisonabschluß in diesem Jahr gegen Gladbach hat es danach nie wieder eine Niederlage unserer Eintracht gegeben, die so fröhlich endete.

Freitag, 01.10.99
20 Uhr, Waldstadion Frankfurt, 30.000 Zuschauer

Eintracht Frankfurt:
Nikolov-Janßen-Bindewald-Kracht-Kutschera-Gebhardt-Weber-Falk-Guie-Mien-Salou-Fjörthoft (Dombi-Heldt-Westerthaler), Trainer: Berger

VfB Stuttgart:
Wohlfahrt-Berthold-Thiam-Todt-Keller-Balakov-Pinto-Ganea-Gerber-Soldo-Lisztes (Bordon-Catizone-Schneider), Trainer: Rangnick

0:1 Balakov (47.)