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Interview

Homepage Adria-Express, Dezember 2010

Autor Gerrit Fischer mit seinem Debütroman Adria-Express (Foto: Marco Perdigones)
Autor Gerrit Fischer mit seinem Debütroman Adria-Express (Foto: Marco Perdigones)

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Roman zu schreiben?

 

Das war eigentlich schon seit vielen Jahren ein Wunsch von mir, irgendwann einmal mein eigenes Buch in den Händen zu halten. Ich bin ein großer Freund von Büchern und lese gerne. Mit ein paar guten Büchern in den Urlaub zu fahren, zum Abschluss eines Tages im Bett noch einmal in eine andere Romanwelt abzutauchen, Wartezeiten mit einem Buch zu überbrücken – das ist doch fantastisch. Manchmal ist es schade, die Romanwelt seiner Lieblingsbücher so schnell wieder zu verlassen, wenn man es fertig gelesen hat. Sich einem eigenen Roman zu widmen, lässt einen noch tiefer in die Geschichte eindringen. Man ist der Erfinder der Charaktere, der Regisseur der Geschichte. Eine faszinierende Vorstellung.

 

Aber man braucht doch vor allem auch eine Idee für eine Story…

 

Ja, die hatte ich schon lange im Kopf. Ich bin damals mit meinen Freunden mit dem Zug durch Italien gereist. Das hat mich immer begeistert, diese Atmosphäre, die aufkam, wenn man als junger Mensch in einem fremden Land unterwegs ist. Ein typisches Beispiel war unsere erste Fahrt alleine ohne Eltern nach Italien. Alles war perfekt vorbereitet, der ICE war gebucht, der Nachtzug an unseren Urlaubsort an der Adria, das Hotel war gebucht. Wir hatten geplant, in München noch einen halben Tag zu verbringen, bevor wir abends in unseren Liegewagen steigen wollten. Es konnte eigentlich nichts schiefgehen. Bis ein Freund von mir im „Ihr Zugbegleiter“, diesen Heftchen im ICE, in dem die Anschlusszüge aufgeführt werden, geblättert hat. „Guckt mal, in München fährt kurz nach unserer Ankunft ein Zug nach Venedig ab!“. Wir haben uns angeguckt, haben gelacht und gesagt: „Venedig, ja, geil! Machen wir!“. Wir haben die Liegewagenkarten verfallen lassen, haben uns in den Zug nach Venedig gesetzt und die Tickets bis Venedig nachgelöst. Und da standen wir dann auf einmal mit unserem Gepäck vor dem Canale Grande. Die Sonne ging langsam unter, wir tranken eine Flasche Wein und spürten eine Freiheit, die man nicht oft erlebt. Wir hatten keine Ahnung, wo wir übernachten sollten und wie es weitergeht. Es war egal, es zählte nur der Augenblick.

 

Also hat der „Adria-Express“ auch autobiographische Züge?

 

Nein, so kann man das nicht sagen. Für den Roman habe ich dem Protagonisten Tim ein ziemlich frustrierendes Leben verpasst, aus dem er ausbricht, bevor er diese Freiheit des Reisens durch den Süden erlebt. So etwas habe ich nicht erleben müssen. Aber natürlich ist so ein Roman immer eine Summe aus eigenen und fremden Erfahrungen, die man mal mehr und mal weniger abändert oder erweitert, kreativen Ideen und handwerklich zusammengesetzten schriftstellerischen Elementen. Die ein oder andere Sequenz im Buch werden die Jungs von damals aber sicher wiedererkennen.

 

Der Roman spielt im Jahr 1996. Warum?

 

Mir war wichtig, dass ich eine realistische Geschichte schreibe. Der Leser soll eintauchen in die Welt des Romans und damit das möglich ist, muss die Story so authentisch wie möglich erscheinen. Das wäre in der Gegenwart nicht möglich gewesen, dafür fehlt mir die Erfahrung im Jetzt. Damals gab es weitaus mehr Nachtzüge, es war beispielsweise auch noch möglich am Strand zu schlafen. Heute bewacht ein Sicherheitsdienst die Adriastrände. Da heißt es heute: „Betreten verboten!“ Die Orte, in denen der Roman spielt, haben sich verändert. Die Art des Reisens auch. Und natürlich ist der Roman auch ein persönlicher, leicht wehmütiger, Blick zurück in diese Zeit. Das was Tim erlebt, erleben wir heute in dieser Form nicht mehr. Die meisten haben Familie, sind so eingespannt im Leben, dass eine solche Tour nicht mehr zu realisieren wäre. Mal abgesehen davon, dass wir heute alle Mitte Dreißig sind und es nicht mehr bevorzugen, auf dem Boden des Nachtzugganges zu schlafen, drei Tage ohne Dusche in Zügen zu verbringen und unsere Schuhe mit Deo auszusprühen. Man kann das Leben nicht zurückspulen. Es sei denn man schreibt einen Roman, dann ist man wieder in dieser Welt.

 

War es ein Problem, die Handlung in der Vergangenheit spielen zu lassen?

 

Es bedurfte einer gewissen Vorbereitung. Ich habe mir im Antiquariat die Europa-Kursbücher der Bahn aus dem Jahr 1996 besorgt, damit ich die Originalzüge nutzen konnte. Eine realistische Geschichte benötigt solche Details, wie die Fahrpläne der damaligen Zeit. Aber ich musste mich auch damit beschäftigen, was damals so los war in der Welt. Und auch, welche Musik gehört wurde. Hier und da erwähne ich Musiktitel aus der damaligen Zeit. Das muss authentisch sein. Ich kann keine Musik erwähnen, die erst fünf Jahre später auf den Markt kam. Und man muss immer aufpassen: Handys gab es damals in Deutschland noch nicht flächendeckend. In Italien wurde noch mit der Lire bezahlt. Da gibt es viele Beispiele, worauf man achten muss.

 

Wie lange hast du für den Roman gebraucht?

 

Vom ersten geschrieben Wort bis zum Augenblick, an dem ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, hat es 13 Monate gedauert. Das war länger, als ich erwartet habe. Aber man darf den Aufwand nicht unterschätzen. Ich habe den „Adria-Express“ ja nebenberuflich geschrieben. Und es ist einfach so, dass man nicht immer in der Lage ist, zu schreiben. Während der Arbeitswoche ist es abends nur begrenzt möglich, sich ins Schreiben hineinzufinden. Und es gibt immer wieder Phasen, in denen einem nichts einfällt, in denen der Kopf leer ist. Dann muss man das Projekt auch mal ein, zwei Wochen ruhen lassen und sich gar nicht damit beschäftigen. Und während der WM habe ich komplett pausiert. Was ich am meisten unterschätzt hatte, war aber die Zeit der Korrektur und Feinabstimmung. Das ist richtige handwerkliche Arbeit. Und kostet enorm viel Zeit. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so oft im Duden blättern muss, dass ich mich so viel mit dem Text und auch dem Inhalt auseinandersetzen muss. Das Manuskript geht an den ersten Testleser und kommt voller Anmerkungen wieder zurück. Einzelne Textpassagen müssen komplett neu geschrieben werden. Dann ist das Werk schon weit fortgeschritten und die nächsten Testleser folgen. Und wieder folgt eine Überarbeitung. Am Ende habe ich das Buch sieben Mal komplett durchgearbeitet.

 

Wo hast du geschrieben?

 

Überall. Ich habe mit einem kleinen Netbook gearbeitet. Das hatte ich ständig dabei. Ich konnte im Cafe schreiben, im Park, im Zug, im Bett, am Schreibtisch, auf dem Sofa. Und ich glaube, genau das hat mir geholfen. Wenn man im Sommer in einem Straßencafe sitzt und schreibt, dann fördert das die Kreativität, zumindest bei mir. Am liebsten hätte ich ja sogar noch eine Zugfahrt nach Venedig unternommen und dabei geschrieben. Aber als mir die Idee kam, war es für diesen Roman schon zu spät.

 

Was für Erwartungen hast du nun bezüglich der Verkaufszahlen?

 

Für mich ist das Buch schon jetzt am Tag des Erscheinens ein Erfolg. Ich habe meinen Traum verwirklicht und neben meinen Lieblingsbüchern steht nun auch der „Adria-Express“ in meinem Regal. Ich denke, er gehört auch tatsächlich zu meinen Lieblingsbüchern. Und ich freue mich über jedes einzelne Exemplar, was einen Leser findet und ihn hoffentlich gut unterhält. Und besonders freue ich mich über jedes Buch, das nicht von meinem direkten Umfeld gekauft wird. Denn dann hat den Leser offenbar die Inhaltsangabe und das Thema neugierig gemacht.

 

Wie kamst du auf den Titel „Adria-Express“?

 

Dem Buch einen Namen zu geben, war sehr schwierig. Es sollte einprägsam sein, möglich originell ohne Verwechslungsgefahr. Man kann viel falsch machen bei der Titelauswahl. Dem Roman den Namen eines Zuges zu geben, fand ich eine gute Idee. Es signalisiert, dass es thematisch um das Reisen geht. Und in welche Richtung sie geht, ist auch gleich klar. Außer dem ein oder anderen Pizza-Service und ausländischem Reiseunternehmen, wird dieser Name auch nicht verwendet. Und ich als Autor kann mich gut damit identifizieren. Ich mag den Titel. Das ist doch schon einmal eine gute Voraussetzung, dass es auch anderen gefällt.

 

Wie geht es jetzt weiter? Schreibst du einen weiteren Roman?

 

Der „Adria-Express“ wird mich noch eine Weile beschäftigen. Jetzt heißt es werben und sich um das fertige Werk kümmern. Dazu gehören auch Lesungen. Auch das ist mit viel Vorbereitung verbunden. Lesungen können schrecklich langweilig sein, wenn sie nicht entsprechend präsentiert werden. Es reicht nicht, eine Stunde aus seinem Buch vorzulesen. Da muss mehr passieren. Ich habe da auch einige Ideen. Und ja, ich schreibe auch einen neuen Roman. Die erste Sequenz habe ich sogar schon geschrieben aus Angst, ich könnte die Idee wieder vergessen. Und es war zu umfangreich, um es in mein kleines Heft zu schreiben, was ich als Ideensammlung nutze. Ich wage mich mal an ein neues Genre. Es wird ein Mystery-Thriller. Ob es so kommt, wird sich zeigen. Manchmal lassen sich die Ideen nicht so umsetzten, wie man es sich vorstellt, aber daraus resultieren dann wieder neue Ideen. Warten wir es mal ab. Ich denke, sicher ist nur, dass es nicht mein letztes Buch war.

 

Würdest du dich über Zuschriften und Rückmeldungen zum Buch von deinen Lesern freuen?

 

Es ist unheimlich schwer, sein eigenes Werk, was man so oft durchgelesen, verändert und überarbeitet hat, möglichst objektiv zu bewerten. Letztlich hofft man, dass es interessant ist, dass man vielleicht den Geschmack einiger Leser getroffen hat. Aber man weiß es natürlich nicht. Wenn man einen Autor im Bekanntenkreis hat, neigt man vielleicht dazu, ihm eine positive Rückmeldung zu geben. Wenn man weiß, wie viel Arbeit der Autor in das Projekt gesteckt hat, dann will man ihm mit Kritik nicht weh tun. Aber Kritik gehört dazu, nur durch sie kann man sich weiterentwickeln. Und man sollte dafür offen und nicht zu empfindlich sein. Meine Freundin hat Teile des Buchs stark kritisiert und sie hatte Recht. Wir haben dann Einiges davon geändert und ich bin heilfroh, dass sie mir das so schonungslos aufgezeigt hat. Das Buch ist dadurch besser geworden. Und so muss man es auch für Folgeprojekte sehen: Jede Rückmeldung hilft. Aber über positive Resonanz freue ich mich natürlich trotzdem besonders. Vor allem über Hinweise, welche Stellen des Buches besonders gut ankommen. Damit ich die richtigen Stellen für meine Lesungen auswähle.